Sieg am Ringgis-Berglauf BE – 1.10.2016

Zur Abwechslung und um neuen Schwung zu bekommen, mache ich heute den Ringgis-Berglauf im Emmental. Der Lauf ist 3,75 Kilometer lang und hat eine Steigung von 237 Metern. Nach all den extrem steilen Bergläufen, die ich in den letzten Wochen gemacht habe, tut es gut, zwischendurch einen kürzeren und vor allem (im Vergleich) ’schnellen‘ Berglauf zu laufen. Nach dem Motto von Anita Weyermann Gring achä u seklä renne ich heute von Wildeneybad (Bowil) vollgas auf die Winterseiten, wo das Ziel ist. Die Strecke verläuft auf Naturweg durch den Wald mit einem kurzen Abstieg. Aus dem Wald geht es dann über eine Matte und schliesslich den steilen Schlussaufstieg ins Ziel. Diesen schönen Lauf kann ich nur weiterempfehlen!

Es herrschen heute gute Laufbedingungen – angenehm kühl und (noch) trocken. Mir läuft es sehr gut; ich gewinne mit einer Zeit von 18 Minuten und 47 Sekunden. Wie ich sehe, ist meine gelaufene Zeit die zweitschnellste Frauenzeit aller Zeiten (der Lauf wurde zum 26. Mal ausgetragen) hinter dem Streckenrekord von Mirja Jenni von 18:08 aus dem Jahr 2014. Ich freue mich über das tolle Resultat und bin motiviert, ein andermal diesen Streckenrekord anzupeilen 😉

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Bild: www.skiclub-bowil.ch

 

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Nach dem Rennen – hinter mir ist das Ziel sichtbar
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Den Siegespokal erhalte ich von der früheren Spitzenläuferin Rösly Brechbühl / Bild: www.skiclub-bowil.ch

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2. Rang am Wildspitzlauf SZ – 25.9.2016

Heute begleitet mich leider niemand nach Steinerberg, ich bin alleine unterwegs. Schon früh morgens nehme ich den Bus nach Thun. Und siehe da: Als ich aus dem Bus steige und zielstrebig Richtung Züge marschiere, sehe ich in grossen Lettern ein fröhliches Heija Tate auf dem Boden. Was für eine schöne Überraschung!

Nachdem ich diese Entdeckung gemacht habe, guckt auch schon Daniela lächelnd hinter der Ecke des Bahnhofsgebäudes hervor. Ich freue mich sehr und wir nehmen vor meiner Abfahrt noch einen Kaffee. Etwas später taucht auch noch mein Trainer Hansruedi auf, um mir einen guten Lauf zu wünschen. Ab geht’s nach Steinerberg Kanton Schwyz!

Schon um 9 Uhr bin ich am Startort. Ich mache mich bereit für den 7,75 km langen Wildspitzlauf, der 960 Meter steigt. Ein schöner Berglauf, ich freue mich darauf! Das Wetter ist schön, ich bin in Form und fühle mich gut – es kann losgehen!

10 Uhr 45: Der Startschuss fällt. Ich laufe als 3. Frau locker los. Nadja Kessler übernimmt gleich die Führung bei den Frauen. Noch im ersten Kilometer bin ich an 2. Stelle. Schon von Anfang an habe ich ca. 30 Sekunden Rückstand auf Nadja.

Die Strecke verläuft über die sehr steile, asphaltierte Strasse. Ich laufe regelmässig und fühle mich gut. Immer wieder überhole ich Läufer. Der Rückstand auf Nadja Kessler ist plus/minus immer gleich. Als es nach ca. 5 Kilometer fast flach wird und einen Kilometer lang nur leicht steigt, vergrössert sich der Abstand von Nadja zu mir. Ich behalte sie im Blick, aber forciere nicht, es wird nochmals richtig steil.

Nun kommt die Abzweigung in den wurzeligen, steilen Waldpfad, der schliesslich auf die Wiese übergeht. Dieser Abschnitt ist sehr steil und ich hole wieder ein wenig auf. Nun drücke ich aufs Gas und gebe alles. Ebenfalls Nadja Kessler. Diejenigen Läufer, die sie überholt, überhole ich auch. Aber ich komme leider nicht mehr näher. Schliesslich kommen die letzte Kurve und die letzten 250 Meter, und es ist klar, dass es zu einem Überholspurt bei Weitem nicht mehr reichen kann. Ich spurte nur noch die letzten 100 Meter, um wenigstens eine gute Zeit herauszuholen. Ich habe gehofft, meine persönliche Bestzeit von 2015 von 51 Minuten und 28 Sekunden zu toppen, aber ich bin heute 15 Sekunden langsamer. Mit 26 Sekunden Rückstand auf die Siegerin werde ich Zweite. Ich bin im Ziel und kann mich einfach nicht wirklich freuen. Auch die wunderschöne Aussicht auf die Zentralschweizer Berge kann mich heute nicht trösten.

In Gedanken gehe ich das Rennen nochmals durch. Was habe ich heute falsch gemach? – Fazit: Nichts! Ich habe mein Bestes gegeben, wir haben beide gefightet und schliesslich bin ich meine zweitbeste Zeit gelaufen – was will ich mehr? Abgesehen davon: Ich war auch noch nie vor Nadja Kessler – starke Läuferin, starke Leistung! Alles ist also OK! Freude über den gelungenen Lauf kommt doch noch auf. Aber klar ist: Meine persönliche Bestzeit will ich auf jeden Fall unterbieten – dann halt ein andermal!

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6 Uhr 15: Überraschung auf dem Bahnhofplatz Thun… 😉
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Aussicht aus Steinerberg
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Eine Wanderung auf den Wildspitz dauert etwas länger als meine 51 Laufminuten…
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Die drei schnellsten Frauen: Siegerin Nadja Kessler, 2. ich, 3. Alexandra Wallimann

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Streckenrekord und 4. Sieg bei La Grimpette des Bédjuis VS – 10.9.2016

Kurz zusammengefasst: Das ist mein Rennen.

Warum? Das Rennen ist wie gemacht für mich: Der 6,3 Kilometer lange Berglauf von Riddes auf les Crêteaux steigt happige 960 Meter, wobei der letzte Kilometer fast überhängend ist. Genau nach meinem Motto: Je steiler, desto besser! Dieses Streckenprofil liebe ich; das ist genau mein Ding!

Und weil heute die Tagesform gestimmt hat und mir alles gelungen ist, habe ich gleich mehrere Erfolge zu feiern: Den neuen Streckenrekord, den Sieg und gleichzeitig den 4. Sieg bei La Grimpette des Bédjuis. Nach der früheren Seriensiegerin Isabelle Florey, welche den Berglauf dreimal gewonnen hat, bin ich die neue Rekordhalterin.

Zum Rennverlauf:

Nach dem Einlaufen und ein paar Sprints reihe ich mich weit vorne im Läuferfeld ein. Am Start werden die Namen der letztjährigen Sieger und der schnellsten Läufer durchgegeben. Unter anderem, dass ich bei den Damen den Streckenrekord habe und die Teilnahme von Victoria Kreuzer, der schnellsten Walliser Bergläuferin. Was ich nicht weiss: Die englische Spitzenläuferin Sarah Tunstall, seit einigen Jahren eine der weltbesten Bergläuferinnen, ist auch am Start. Aber ich kenne sie nicht, was vermutlich von Vorteil ist (sonst hätte ich vor Ehrfurcht wohl nicht gewonnen…).

Vor dem Start kommt Victoria auf mich zu und wir geben uns sportlich die Hand und wünschen gegenseitig einen guten Lauf. Kurz vor dem Startschuss fokussiere ich mich und gehe nochmals meine Renntaktik im Kopf durch, denn heute will ich unbedingt gewinnen. Wie im Vorfeld mit Trainer Hansruedi Bühler besprochen, laufe ich 5,3 Kilometer mit Kopf und dann den letzten Kilometer bis zum Ziel mit Leidenschaft. Der Startschuss fällt. Ich setze die Worte in Tat um.

Der erste Kilometer führt durch das Dorf Riddes und ist nur leicht ansteigend. Ich laufe als 5. Frau locker los. Danach geht es in die steilen Serpentinen, wo ich an 3. Stelle hinter Victoria Kreuzer laufe. Auf dem engen und kurvigen Naturweg fange ich an zu überholen und bin nun 2. Frau. Die führende Läuferin Sarah Tunstall, welche mit ca. 30 bis 40 Sekunden Vorsprung voraus liegt, habe ich immer im Blick. Der schmale Weg mündet in die Dorfstrasse nach Isérables. Die Schlaufe durch das Bergdorf ist teilweise sogar flach. Der Abstand von mir zu Sarah Tunstall hat sich nur minim verringert. Sie läuft sehr konstant.

Ich nähere mich dem letzten Verpflegungsposten, welcher sich kurz vor dem letzten Kilometer befindet. Eher symbolisch nehme ich noch ein paar Schlucke Wasser. Nun schalte ich den Hebel um: Ab jetzt laufe ich Vollgas! Mit 11 Sekunden Rückstand auf Sarah Tunstall nehme ich den letzten Kilometer in Angriff. Ich überhole einige Läufer und nähere mich Sarah Tunstall. Nun überhole ich sie und ziehe das Tempo weiter. Immer noch laufe ich im Überholmodus und fühle mich in Bestform!

Ich wage nun einen Blick auf meine Stoppuhr. Ich bin bei 47 Minuten und ich weiss, das Ziel ist nicht mehr weit, was bedeutet: erneuter Streckenrekord ist möglich! Ich realisiere diese Umstände und ziehe das Tempo bei extremer Steilheit bis ins Ziel durch; mit 48 Minuten und 31 Sekunden passiere ich die Ziellinie – Streckenrekord!!! Unglaublich! Was für ein Rennen, was für ein Sieg!

Erst im Ziel erfahre ich von anderen Läufern, was für ein ‚Kaliber‘ von Bergläuferin ich da hinter mir gelassen habe; ich bin fast ein wenig geschockt.

Die sympathische Läuferin Sarah Tunstall und ich geben uns die Hand und wechseln ein paar wenige Worte auf Französisch. Als Victoria Kreuzer als dritte Läuferin ins Ziel kommt, gibt es anschliessend von uns drei schnellsten Frauen noch ein Pressefoto.

Es ist wohl einer der wenigen Bergläufe, an dem ich mein Potenzial voll ausschöpfen kann. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass ich hier den Streckenrekord habe. Dass meine gelaufene Zeit hochkarätig ist, das beweist der Vergleich auf höchstem Niveau: Die hinter mir zweitrangierte Sarah Tunstall ist Weltklasseläuferin ( 4. Rang bei den Berglauf Weltmeisterschaften 2015). Diese Tatsache haut mich fast um! Und dazu kommt, dass ich schliesslich mit 48 Sekunden Vorsprung gewinne!

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Blick von Riddes auf Isérables
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Bergdorf Isérables

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In Isérables geht es meistens entweder nur hinauf oder hinunter!
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Der FLACHE Fussballplatz in Isérables grenzt an ein Wunder…

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Nach dem Rennen…

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Rangverkündigung auf dem Sportplatz
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Der Laufveranstalter: Club d’Athlétisme de Vétroz

Bericht auf www.calendrierdescourses.ch von Sylviane Bruchez

Kurzbericht auf Promosports:

www.promosports.ch

Rangliste 2016

 

2. Rang am Berglauf Brülisau – Hoher Kasten AI – 28.8.2016

Am Tag vor dem Lauf reise ich an. Der Startschuss fällt nämlich schon um 9 Uhr 15 in Brülisau. Der Berglauf ist 8,3 Kilometer lang und es sind 873 Meter bergauf zu bewältigen.

Letztes Jahr bin ich hier zum ersten Mal gestartet und ich war auf Anhieb vom ‚Kastenlauf‘ begeistert: Die märchenhafte Appenzeller Landschaft, welche an die traditionellen Scherenschnitte erinnert, das Alpsteingebirge mit dem markanten Hohen Kasten und das steile Streckenprofil haben es mir angetan.

Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt und es ist schon vor dem Start so warm, dass man lieber nicht zu lange Aufwärmübungen macht. Heute starte ich gemächlich, denn es geht gleich ziemlich steil zur Sache. Als 4. Frau laufe ich los und arbeite mich langsam vor. Noch bevor der erste Getränkeposten nach Kilometer 2 kommt, laufe ich bei den Frauen an 2. Position. Die Spitzenläuferin Daniela Gassmann führt das Rennen mit deutlichem Vorsprung an.

Ich habe gute Beine, die Hitze macht mir heute nichts aus und alles läuft rund, so, wie ich es mir vorstelle. Bei jedem Verpflegungsposten schütte ich noch etwas Wasser zum Abkühlen über mich. Ich laufe meinen Rhythmus und kann meine nächste Verfolgerin, welche mir zuerst noch dicht auf den Fersen war, so distanzieren, dass ich nach hinten Luft habe.

Das Laufgefühl stimmt und im oberen Abschnitt überhole ich sogar noch einzelne Läufer. Die steilen Stufen auf dem letzten Kilometer machen mir nichts aus und ich kann das Tempo bis ins Ziel durchziehen.

Im Ziel angekommen, freue ich mich riesig über den Podestplatz! Ich bin stolz darauf, am ‚Kastenlauf‘ hinter Daniela Gassmann die Nr. 2 zu sein, denn sie ist eine der schnellsten Bergläuferinnen der Schweiz. Und der Hohe Kasten ist einer der absolut schönsten und eindrücklichsten Aussichtspunkte in der Schweiz, die ich kenne!

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Blick auf den Hohen Kasten

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Auf ‚dem Kasten‘: 360° Panorama!

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Trainer Hansruedi Bühler ist sichtlich zufrieden

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Blick hinunter auf Brülisau resp. auf’s Appenzellerland

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Rangliste 2016

 

Der Hohe Kasten: Liebe auf den ersten Blick

Tatiana bestritt den Berglauf von Brülisau auf den Hohen Kasten zum zweiten Mal. Vor einem Jahr hatte sie zum ersten Mal mitgemacht. Als sie damals beim Aussteigen aus dem Bus den imposanten Berg im Alpsteinmassiv, der auf der Kantonsgrenze zwischen Appenzell Innerrhoden und Sankt Gallen liegt, 1794 m ü.M. hoch ist und auch als «Rigi der Ostschweiz» bekannt ist, entdeckte, machte sie grosse Augen. Es war Liebe auf den ersten Blick! «Endlich ein richtiger Berg!», sagte sie. Die Resultate fielen entsprechend gut aus: Zweite 2015 (nur wenige Sekunden hinter der Siegerin Nina Zoller) und Zweite 2016 (hinter Daniela Gassmann, die seit vielen Jahren zu den allerbersten Schweizer Bergläuferinnen zählt).

2. Rang am Rigi-Berglauf SZ – 14.8.2016

Um 9Uhr 45 startet der Berglauf in Arth auf die Rigi. Es sind 11,3 km und 1‘380 Höhenmeter zu bewältigen. Der erste Kilometer führt über die Hauptstrasse Richtung Oberarth und steigt nur leicht. Ich starte nicht schnell und laufe als 8. Frau in die Steigung. Es ist sehr heiss heute und ich merke sogleich, dass ich mich zurückhalten muss, um nichts zu riskieren.

Langsam arbeite ich mich vor. Noch vor dem 3.Kilometer bin ich an 3. Stelle. Mit grossem Vorsprung läuft die führende Frau Fränzi Inauen, welche den Rigi-Berglauf bereits mehrmals gewonnen hat. Als Zweite folgt Nadja Kessler.

Die Hitze setzt mir heute mehr zu als mir lieb ist; die Gedanken schweifen ab und ich laufe unkonzentriert bergauf. Der erste Getränkeposten kommt erst nach 4 km. Ich versuche trotzdem, ruhig zu bleiben und das Tempo aufrecht zu erhalten, auch wenn sich die Beine nicht wie gewöhnlich leicht anfühlen. Im Schatten kann ich mich jeweils ein wenig erholen. Der Streckenabschnitt nach Kilometer 5 bis zum Klösterli kommt mir heute elend lang vor, da er der prallen Sonne ausgesetzt ist.

Nach dem Klösterli geht’s in den Wald und steigt von nun an enorm. Mit gefühltem ‚klebrigen‘ Schritt laufe ich über Stock und Stein. Als ich nach Kilometer 9 aus dem Wald komme und einen Blick in die Ferne wage, erblicke ich die nächste Frau vor mir: Fränzi Inauen, welche inzwischen von Nadja Kessler überholt worden ist. Immer wieder hat es Zuschauer, die mich anfeuern. Einer ermuntert mich zum Angriff: „Die nächste Frau ist nicht mehr weit.“ Jaja, schon gut…, denke ich – der Aufholweg in diesem Steilhang ist weiter als man glaubt.

Auch wenn ich glaube, heute am Anschlag zu laufen, und das Gefühl habe, mehr geht nicht, sehe ich, dass ich mich Fränzi Inauen nähere. Trotz der Hitze bewahre ich jetzt einen kühlen Kopf – ich versuche dranzubleiben. Mal schauen, was passiert, schliesslich habe ich heute wirklich nichts mehr zu verlieren. Beim letzten Verpflegungsposten (vor Kilometer 10) leere ich einen ganzen Becher Rivella, überquere die Bahngleise und setze zum Überholen an. Mit Reserven, an die ich nicht mehr geglaubt habe, laufe ich an Fränzi Inauen vorbei und ziehe das angezogene Tempo im extrem steilen und harten Schlussaufstieg bis ins Ziel durch. Somit bin ich glückliche Zweite am Rigi-Berglauf!

Ich freue mich über das Resultat, auch wenn es heute hart war und alles andere als optimal! Ich weiss, es liegt mehr drin, was die gelaufene Zeit betrifft, denn diese ist nicht ganz im Verhältnis zu den letzten Resultaten. Mission Rigi also noch nicht beendet. Darum: Rigi, ich komme ganz bestimmt wieder!

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Vor dem Start – Sicht auf die Rigi
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Preis: Rigi-Sännämutschli
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Siegerin Nadja Kessler

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Zielgelände: Rigi Kulm
Rigi 2016
Mit Läufer Sascha Gwerder

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Rangliste 2016

Auf der Rigi fehlt zur Krönung nur noch ein Sieg

hb. Tatiana hat bei ihrer neunten Teilnahme am Rigi-Berglauf zum siebten Mal den Sprung aufs Podest des Frauenrennens geschafft: Viermal war sie Zweite, dreimal Dritte. Nun fehlt nur noch die Krönung: ein Sieg. Obschon der Lauf mit den vielen Höhenmetern und dem Ziel auf 1800 m ü. M. ihr liegen sollte, ist Tatiana bisher noch kein Traumlauf auf die Rigi gelungen. Vielleicht beim nächsten Versuch!

 

 

 

Sieg am Täschalplauf VS – 31.7.2016

Um 4 Uhr 30 geht mein Wecker. Aus dem Radio ertönt es „…my heart is on fire, fire, fire…“ von der Walliserin Stefanie Heinzmann. Gerade passend für heute, geht es mir durch den Kopf. Ich freue mich, denn heute geht’s wieder einmal ins Wallis, nach Täsch. Mein Vater holt mich mit dem Auto ab und um 7 Uhr sind wir bereits dort.

Gestern war es bei uns gegen 30°C. Heute Morgen in Täsch auf 1’440 m ist es gerade mal 13°C und bewölkt, aber ideal zum Laufen. Der Startschuss fällt um 9:00, es nieselt leicht. Der 7,64 km lange Berglauf hat einen Anstieg von 780 Metern, was sehr steil ist. Ich starte locker und arbeite mich langsam nach vorne. In Sichtweite läuft die führende Frau Victoria Kreuzer. Der Abstand von ca. 30 Sekunden bleibt lange Zeit immer gleich. Erst nach Rennhälfte gelingt es mir, näher zu kommen und schliesslich nach Verlassen des Forstweges zu überholen. Nach dem kurzen Abschnitt auf der einzigen geteerten Strasse zur Täschalp verläuft die Rennstrecke weiter auf dem extrem steilen Waldpfad. Auf diesen Serpentinen gebe ich Gas. Ich versuche, meinen geringen Vorsprung etwas auszubauen, denn die Seriensiegerin Victoria Kreuzer ist eine sehr starke Bergläuferin und das Rennen ist schliesslich noch nicht zu Ende.

Jetzt geht alles sehr schnell: Raus aus dem Wald, über Steinplatten rennt man etwas bergab, dann ist der schmale Pfad wieder ansteigend. Nur noch 600 Meter. Ich kann mir bis zum Schluss nicht sicher sein, darum gebe ich alles, um meine Position zu halten. Noch ein letzter Abstieg im Nebel, eine Linkskurve über die Brücke, dann der letzte Anstieg über die Matte und schliesslich auf dem asphaltierten Weg über die Ziellinie – Sieg geschafft!

Ich freue mich riesig! Ich bin sehr gut in Form und der Täschalplauf liegt mir mit den vielen Steigungsmetern und dem technischen und abwechslungsreichen Wegen sehr gut. Jedoch ist ein Sieg absolut nicht selbstverständlich. Im Wallis hat es immer starke Bergläuferinnen am Start. Die wahrscheinlich beste Walliserin ist Victoria Kreuzer, die zudem eine international erfolgreiche Skialpinistin ist. Umso wertvoller der Sieg! =)

Kurz vor Zieleinlauf
Kurz vor Zieleinlauf
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2. Frau: Victoria Kreuzer
Nebel auf der Täschalp
Nebel auf der Täschalp

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www.thefirst.ch / Preisverteilung
www.thefirst.ch Tagessieger: Ich und Martin Anthamatten
www.thefirst.ch Tagessieger: Ich und Martin Anthamatten

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Mein Vater: Wer hat’s gewonnen…?
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… !!! 😉
Eindrückliche Bergwelt...
Eindrückliche Bergwelt…
Zielgelände auf 2'220 m ü. M.
Zielgelände auf 2’220 m ü. M.

Bericht Walliser Bote

Rangliste 2016

Jubiläumssieg auf der Täschalp

hb. Obschon sie ihn in ihrer nun schon dreizehn Jahre dauernden Karriere als Bergläuferin nicht oft bestritten hat, scheint der Täschalplauf für Tatiana eine besondere Bedeutung zu haben. 2005 gewann sie ihn zum ersten Mal. Es war zugleich ihr erster Tagessieg überhaupt. Am letzten Sonntag nun feierte Tatiana auf der Täschalp nicht nur ihren zweiten Sieg an diesem traditionellen Berglauf, sondern (im 165. Rennen) zugleich den zwanzigsten Tagessieg in ihrer Laufbahn. Im Wallis lacht für Tatiana sowieso immer wieder die Sonne: Acht ihrer zwanzig Siege holte sie in diesem Kanton! Bei Riddes – Isérables, einem ihrer Lieblingsrennen, hält sie sogar den Streckenrekord. Tatiana kann sich ihre zahlreichen Erfolge im Wallis leicht erklären: „Viele der Strecken liegen mir. Es geht meistens richtig steil bergauf. Das mag ich!“

 

 

3. Rang am Stanserhorn-Berglauf NW – 3.7.2016

Der Startschuss fällt um punkt 9Uhr in Stans. Es ist bewölkt, trocken und die Temperatur angenehm – ideales Laufwetter also. Es sind viele Läuferinnen und Läufer am Start und es kommt anfangs zu einem Gedränge, das sich dann aber nach den ersten 100 Metern gleich auflöst. Ich starte locker und nicht zu schnell, schliesslich ist der Lauf 10,9km lang und hat beachtliche 1’416 Steigungsmeter. Nach den ersten zwei Kurven neben der imposanten Dorfkirche vorbei geht es gleich sehr steil zur Sache; die asphaltierte Strasse führt bis zur Endstation der nostalgischen Standseilbahn. Nach einer scharfen Kurve ist man im Wald und ab jetzt ist alles Naturweg.

Nach rund 22 Minuten überhole ich zum letzten Mal eine Frau und ich bin ab jetzt an 3. Stelle. Mir läuft’s prima. Ich überhole laufend Läufer, im Moment geht das noch gut. Weiter oben im Wald ist der wurzelige Pfad so schmal, dass es praktisch unmöglich ist, zu überholen. Für eine Weile bin ich im ‚Sandwich‘. Höchste Konzentration ist gefragt, da der Weg glitschig und zum Teil exponiert ist.

Wir kommen aus dem Wald. Der Pfad führt nun über einen steilen Hang, ich laufe flüssig. Der letzte Verpflegungsposten kommt. Bald darauf folgt ein kurzer morastiger Abschnitt (ohne Ausweichmöglichkeit), auf dem mir fast die Schuhe stecken bleiben… Kurzfristig habe ich Mühe, bei dem Tempo die Balance zu halten und nicht auszurutschen. Ich komme etwas aus meinem Laufrhythmus, den ich aber bald wieder finde. Auf dem letzten Kilometer sehe ich die 2. Frau in einer Kurve. Sie ist relativ nahe, aber im Steilen reichen die paar hundert Meter bis zum Ziel nicht mehr aus zum Aufholen. Kommt dazu, dass wir fast gleich schnell unterwegs sind und ich zum Schluss definitiv am Anschlag bin.

Je näher das Ziel, desto mehr Zuschauer hat es. Mein Blick ist auf den Weg gerichtet. Ich höre das laute Klatschen und von überall her ein „Bravo!“ und „Super!“. Die euphorisierte Stimmung geht auf mich über und die letzten Meter kommen mir unwirklich vor, wie in einem Film. Ich bin im Ziel! Ich freue mich über das tolle Resultat und bin stolz darauf!

Übrigens gewonnen hat die Spitzenläuferin Lucia Mayer. Zweite wird Nadja Kessler, darauf folge ich. Als Vierte erreicht die Nationalkader-Läuferin Angela Haldimann das Ziel.

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Die letzten Meter auf Asphalt…
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Wie gesagt, es ist von A bis Z sehr, sehr steil…

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Nicht mehr weit bis zum Ziel

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Die Wolken haben sich (nach dem Rennen) aufgelöst

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Rangliste 2016

 

 

3. Rang am Grenchenberglauf SO – 19.6.2016

Heute freue ich mich richtig auf die bevorstehenden 12 Kilometer und 800 Steigungsmeter von Grenchen auf den Untergrenchenberg im Solothurner Jura. Den schönen Berglauf habe ich bereits einige Male bestritten. Für mich hat er eine besondere Bedeutung; im Jahr 2006 holte ich hier an der Berglauf-Schweizer-Meisterschaft (völlig unerwartet) die Goldmedaille in der Kategorie U23. Die Strecke verlief damals im oberen Bereich ein wenig anders.

Letztes Jahr, also 2015, wurde die Berglauf Schweizer-Meisterschaft wieder am Grenchenberg ausgetragen. Ich war Feuer und Flamme, ich wollte mein Bestes zeigen. Ich hatte die Startnummer gelöst, obwohl ich seit einer Woche Schmerzen am Fuss hatte und ich seither keinen Meter mehr gejoggt war. Meine Form war top und mein Kopf wollte es nicht zulassen, diese Chance nicht zu nutzen. Nach dem Motto „die Hoffnung stirbt zuletzt“ fing ich mit meinem Aufwärmprogramm an. Als ich dann Steigerungsläufe machen wollte, hatte ich solche Schmerzen, dass mich mein Trainer und meine Vernunft zur definitiven Laufpause bewegt haben. Zehn Minuten vor Start nahm ich die Startnummer wieder ab und verliess bitter enttäuscht und mit Tränen das Gelände. Wie sich später herausstellte, war das die beste Lösung (ein Wettkampf hätte alles nur noch verschlimmert). Schliesslich, nach ärztlicher Abklärung, hatte ich eine Entzündung am rechten Fuss und musste eine 5-wöchige Laufpause einlegen. Das hat sich mehr als ausgezahlt: nach dieser Laufpause und vielen Trainings auf meinem Rennrad habe ich das Lauftraining wieder aufgenommen und in der Berglaufsaison 2015 total 7 Tagessiege und etliche schöne Podestplätze geholt! =)

Nun zum Grenchenberglauf 2016: Langsam aber sicher kann ich an meine gute Form vom letzten Jahr anknüpfen! Ich starte eher langsam und laufe bis ca. Kilometer 4 dosiert. Von da an versuche ich vor allem in den ganz steilen Abschnitten Gas zu geben, was mir auch gelingt. Erst nach rund 30 Minuten laufe ich bei den Frauen an dritter Stelle. Der Lauf ist sehr gut besetzt und die Konkurrentinnen sind mir dicht auf den Fersen.

Beim Verpflegungsposten „Wäsmeli“ spielt die Guggenmusik, was mich total anspornt. Und später in einer Kurve auf dem letzten Kilometer ertönen mehrere Alphörner. Es klingt schön, mit Hühnerhaut laufe ich die letzte Gerade, dann kommt der Aufstieg durch den Wald und schliesslich eine Rampe über die morastige Matte, welche ins Ziel führt. Einen Freudeschrei kann ich nicht unterdrücken, schliesslich habe ich den 3. Rang ins Ziel gebracht und das an einem der besten Jura Top Tour Läufe!!! Was für ein toller Tag =) !!!

 

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Der letzte Abschnitt durch den Wald
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Kurz vor Zieleinlauf
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Overall top 3: Die Tagessieger Martina Strähl und Jérémy Hunt; 2. Rang Petra Eggenschwiler und Cédric Lehmann; 3. Rang ich und Simon Zahnd.
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Fotoshooting mit Läuferin Ezgi Akdesir 😉

 

Rangliste 2016

 

 

3. Rang bei Cressier-Chaumont NE – 4.6.2016

Heute erwarten mich 13km mit 744m Steigung von Cressier auf den Chaumont. Wegen organisatorischer Probleme fällt der Startschuss 30 Minuten später als nach Plan. Es hellt auf, die Sonne zeigt sich sogar und es scheint ein Hitzerennen zu werden (doch der Schein trügt, wie sich später herausstellt… ).

Die Startschlaufe führt durch das schmucke Dorf Cressier am schönen Schloss vorbei und in die steile Strasse nach Enges an Rebbergen entlang. Nach 15 Minuten überhole ich zum letzten Mal eine Läuferin. Von nun an bin ich 3. Frau. Bis jetzt war die Strecke ziemlich steil und es läuft mir gut, ich habe meinen Rhythmus gefunden. Nach Enges kommt ein längerer Waldabschnitt. Der Untergrund ist von nun an schwieriger zu laufen, da der viele Regen der letzten Wochen seine Spuren hinterlassen hat… Aber der Schwierigkeitsgrad wird noch einmal drastisch gesteigert: Nach ca. zwei Dritteln des Rennens wird es rasant finster wie in einer Höhle und es fängt sintflutartig an zu regnen! Sofort ist alles durchnässt und der ohnehin schon mit Regenwasser durchtränkte Untergrund wird noch schlimmer. Ich befinde mich gerade auf einem Waldpfad , der morastiger nicht sein könnte – im Abstieg sinke ich mit einem Fuss so tief ein, dass mir beinahe der Schuh stecken bleibt! Es rutscht bei jedem Schritt; die Füsse bleiben nie dort, wo sie aufgesetzt haben und man muss aufpassen, um nicht zu stürzen (vor mir stürzt ein Läufer…)!

Der Hauptaufstieg ist nun hinter mir. Nach diesem äusserst schwierigen Abschnitt, kommt der Schlussabstieg – ziemlich steil und rutschig über Stock und Stein, lasse ich es ‚krachen‘ und sause mit Schuss dem Ziel entgegen, und freue mich sogar über dieses Sauwetter!

Folgende Fotos aus www.sportplus.ch von Robin Nyfeler:

Cressier Chaumont Robin Nyfeler

Cressier Chaumont Robin Nyfeler

Cressier Chaumont Robin Nyfeler

Cressier Chaumont Robin Nyfeler

Cressier Chaumont Robin Nyfeler

Cressier Chaumont Robin Nyfeler
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Rangliste 2016

Erster Podestplatz in Chaumont

hb. Als Tatiana Anfang Juni 2005 zum ersten Mal bei Cressier – Chaumont, einem der grössten Bergläufe im Kanton Neuenburg, startet, ist sie noch keine zwanzig Jahre alt. Es ist erst der neunte Lauf ihrer Karriere. In einem hervorragend besetzten Rennen (Siegerin wird Angéline Joly, die im Herbst 2005 in Zermatt Schweizer Berglauf-Meisterin werden wird) kommt Tatiana als zwölfte Frau ins Ziel. Nach einem tollen Schlussspurt vom höchsten Punkt der Strecke hinunter nach Chaumont sagt sie: „Heute habe ich ein Fenster aufgetan.“ Sie meint damit, dass sie zum ersten Mal an die Grenze gegangen sei. – Nun, elf Jahre später, nach zwei vierten Plätzen in den Jahren 2008 und 2009 sowie einem fünften Platz im Jahr 2013, hat Tatiana zum ersten Mal den Sprung aufs Podest geschafft. In einem der schwierigsten Cressier – Chaumont der letzten Jahre (im letzten Renndrittel ist die Strecke teilweise ein Sumpf und im Schlussabstieg verwandelt ein überfallartiger Regen den Weg innert Minuten in ein Bächlein) zeigt Tatiana ihr ganzes Können: geschickte Einteilung der Kräfte im Aufstieg, Kampfgeist im Morast und am Ende die Bereitschaft, dem Hudelwetter mit Begeisterung die Stirn zu bieten.

5. Rang am Passwang-Berglauf SO – 21.5.2016

Mein zweiter Berglauf diese Saison: 10,4km lang, 684m Steigung und 129m Abstieg. Er ist zugleich der Selektionslauf für die Berglauf-Europameisterschaft in Arco/Italien.

Bei schönstem Wetter und 25°C fällt der Startschuss im Dorf Mümliswil, das von Jurahügelzügen umgeben ist (ich liebe den Jura!). Ich bin hinter den schnellsten Läuferinnen eingereiht und starte nicht allzu schnell. Dieses Mal habe ich keinen „Fight“ mit Konkurrentinnen, weil ich in einer Lücke laufe; vor und hinter mir ist keine Läuferin in Sicht. Ich laufe „meinen Stiefel“. Grundsätzlich läuft es mir gut, auch wenn das Streckenprofil mit vielen flacheren Abschnitten nicht meinen Vorzügen entspricht.

Auf der zweiten Streckenhälfte macht sich eine Blase am rechten Fuss brennend bemerkbar (etwas, das ich bisher nicht gekannt habe…). Ab jetzt ist mein Laufstil nicht mehr so toll anzusehen… Dafür laufe ich so gut es geht mein Tempo und auch die steile Rampe kurz vor Zieleinlauf renne ich noch einigermassen zügig hoch und beende den top besetzten Qualilauf mit Stolz als 5. Frau. Mit riesigem Vorsprung und Streckenrekord gewinnt die Weltklasseläuferin Martina Strähl mit einer ausserirdisch schnellen Zeit von 47 Minuten und 44 Sekunden! 2. Frau ist Maya Chollet (54:31), 3. Petra Eggenschwiler (54:44) und 4. Céline Aebi (54:50). Danach folge schon ich (56:37) 😉

Ich danke meinem Trainer Hansruedi Bühler und meiner Betreuerin Daniela Siegenthaler für die tatkräftige Unterstützung am Streckenrand!

Rangliste 2016

Ein paar Eindrücke in Bildern…

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Vor dem Rennen…
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Einlaufen im Schatten
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P1200940Mitten im Rennen – meistens an der prallen Sonne.
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Nach dem Lauf

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Mitfiebern, mitleiden und sich mitfreuen – ein Renn-Nachmittag mit Tatiana von Allmen

Ein Bericht von Hansruedi Bühler.

Mitfiebern

Meine Freundin Daniela und ich begleiten Tatiana von Allmen an den Passwang-Lauf, der von Mümliswil auf den Oberen Passwang führt. Tatiana nimmt bereits zum siebten Mal an diesem zur Jura-Top-Tour zählenden Berglauf teil. Mit Ausnahme von 2013, als sie Zwölfte wurde, ist ihr bisher immer ein Platz unter den besten zehn Frauen gelungen. Das beste Ergebnis war der vierte Rang im Jahr 2015. Dieses Jahr ist der Lauf besonders gut besetzt. Einige der besten Schweizer Bergläuferinnen kämpfen um die Teilnahme an der Berglauf-Europameisterschaft in Italien. Tatiana ist trotzdem – und obschon die nicht sehr steigungsreiche Strecke ihren Fähigkeiten nicht entgegenkommt – zuversichtlich, vorne mitmischen zu können. Während sie sich einläuft (von Warmlaufen kann bei der ungewohnten Hitze nicht die Rede sein…), joggen Daniela und ich auf den ersten Hügel. Um 15.00 Uhr fällt auf dem Lindenplatz in Mümliswil der Startschuss. Daniela positioniert sich am Ende der ersten Steigung am Streckenrand, um ein paar Fotos für Tatianas Homepage zu machen. Tatiana flitzt an ihr vorbei und taucht schon bald danach bei mir auf. Ich warte in der Mitte eines langen Flachstückes. Etwa vier Kilometer sind nun gelaufen. Die Weltklasse-Bergläuferin Martina Strähl führt das Frauenrennen mit grossem Vorsprung an. Knapp eine Minute hinter dem Trio Petra Eggenschwiler, Maya Chollet und Céline Aebi folgt Tatiana auf dem fünften Platz. Ich feuere sie an und renne dann auf einer Abkürzung zum nächsten Beobachtungspunkt bei Kilometer 5,5. Die Strecke führt hier abwärts. Die ersten Männer und auch Martina Strähl spurten in einem Tempo den Berg hinunter, dass der Boden zu zittern scheint. Tatiana liegt immer noch an fünfter Stelle. Sie strahlt und streckt den Daumen in die Höhe, als ich ihr zurufe. Schnell renne ich auf einem Waldweg zu Kilometer 6,3. Nun geht es endlich bergauf. Ich stoppe die Zeit: Tatiana liegt etwa siebzig Sekunden hinter Chollet, Eggenschwiler und Aebi. Noch scheint einiges möglich zu sein, denn die steilsten Steigungen stehen noch bevor.

Mitleiden

Daniela und ich beeilen uns, um auf einem steilen Weglein rechtzeitig zum achten Kilometer zu kommen. Es gelingt uns. Martina Strähl als erste Frau ist zwar längst vorbeigelaufen. Die drei scheinbar unzertrennlichen Verfolgerinnen sehen wir aber noch. Und dann erscheint auch schon Tatiana. Doch etwas scheint nicht zu stimmen: Tatiana setzt die Füsse im sehr steilen Gelände ungewohnt schräg auf. Ich frage, ob alles in Ordnung sei. Sie nickt. Ich mache mir aber etwas Sorgen. Vor einer Woche hatte Tatiana auf den Start am Berglauf von Vallorbe auf den Dent du Vaulion verzichtet, weil sie ein Problem mit einem Fuss gehabt hatte. „Hoffentlich nichts Schlimmes“, denke ich. Daniela und ich folgen kurz der Strecke. Bald sehen wir bis zum Ziel hinauf. Die Strecke wird noch einmal flach und führt dann durch einen Wald aufwärts. Wir kürzen ab und nehmen den steileren Weg über eine Wiese. Bald schiesst Tatiana hoch über uns aus dem Wald. Wir jubeln zu ihr hinauf. Als sie uns hört, streckt sie die Arme in die Luft. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Den fünften Platz wird sie sicher ins Ziel bringen.

Sich mitfreuen

Wir warten oberhalb des Bergrestaurants Oberer Passwang auf Tatiana. Sie strahlt wie ein Leuchtkäfer. „Yes!“, sagt sie. Wir gratulieren ihr. Die Frage nach dem Fuss ist rasch geklärt: eine Blase an der rechten Fusssohle, schmerzhaft zwar und etwas hemmend, aber nichts Gravierendes. Wir sind erleichtert. Während Tatiana nun in den Läuferbus steigt, um nach Mümliswil zurück zu fahren, machen Daniela und ich uns auf den Fussweg ins Tal. Wir geniessen die Sonne und den Blick auf die bewaldeten Jurahügel in der Nähe und die Schneegipfel der Alpen in der Ferne. Und ja: Wir sind stolz auf „unsere“ Läuferin, die sich direkt hinter den besten Schweizerinnen eingereiht hat. Weiter so, Tate!