Wie der Name des Laufs schon verrät, ist er eine besondere Form des Berglaufs: Vertikal, also vom Start Refuge du Mélèze (am Fusse des Mont Suchet) bis zum Ziel auf dem Mont Suchet verläuft die Strecke auf dem kürzesten Weg direkt hinauf. Die Strecke ist nur 4 Kilometer lang, dafür hat sie eine Steigung von satten 900 Metern!
Was im Vergleich zu anderen Bergläufen auch speziell ist, ist der Start: kein Massenstart wie üblich, sondern Einzelstart. Alle 20 Sekunden startet ein Läufer / eine Läuferin. Der Vorteil dabei ist, dass es am Anfang auf dem engen Waldpfad keinen Stau gibt – jeder läuft für sich und hat genug Platz. Ein Nachteil ist, dass man den direkten Vergleich mit der Konkurrenz nicht hat. Ich weiss beim Zieleinlauf nicht, auf welchem Rang ich bin.
Als ich am Morgen in Six Fontaines mit dem Zug ankomme, ist es bewölkt und trocken, aber noch etwas frisch. Ich blicke Richtung Gipfel des Mont Suchet, welcher im Nebel liegt. «Es wird dort vermutlich windig und kalt sein», geht es mir durch den Kopf. Ich marschiere ein paar Minuten den Forstweg entlang vom kleinen Bahnhof Six Fontaines zum Startgelände. Dort laufe ich mich ein – im Gewusel der anderen Läuferinnen und Läufer, welch sich ebenfalls für den Lauf bereit machen.
Im Kopf bin ich noch etwas müde, da ich für die Anreise ziemlich früh aufstehen musste. Aber körperlich fühle ich mich fit. Um 09:59:20 starte ich. Die ersten Meter führen auf der Ebene über den Forstweg, gefolgt von einer scharfen Linksabzweigung in den Wald. Von hier an ist es steil und wegen der vielen Wurzeln und Steine technisch anspruchsvoll, was mir sehr gut liegt.
Ich starte mässig schnell und versuche ein gutes Grundtempo zu finden – nicht zu langsam (die Zeit läuft), aber auch nicht zu schnell, damit ich im oberen Teil noch Reserven habe.
Die Strecke führt im unteren Bereich durch den Wald. Immer wieder quert man die Strasse, welche bis zum Chalet du Suchet führt. Im oberen Bereich kommt man aus dem Wald und läuft über steile Weiden.
Im Wald ist es angenehm. Es ist bis zum Start sogar etwas wärmer geworden. Ich überhole heute viele Läuferinnen und Läufer, also gehe ich davon aus, dass ich schnell unterwegs bin. Der Boden ist vom Regen teilweise etwas matschig und die Wurzeln sind glitschig – man muss sehr konzentriert laufen.
Als ich aus dem Wald komme und mich über der Baumgrenze befinde, geht ein rauer und eisiger Wind. Mir ist es recht, mir ist warm von der Anstrengung. Jedoch wird der Wind weiter oben stärker und kühlt die Beinmuskulatur aus. Auf dem obersten und letzten Abschnitt, kurz vor dem Gipfel, ist es extrem windig, sodass es gefühlt doppelt anstrengend ist. Der Aufstieg ist jetzt so steil, dass man mit Rennen nicht mehr schnell ist – ein dynamischer Marsch mit kraftvollen langen Schritten ist in dieser Steilheit schneller. Ich stelle um. Nur noch einige Meter bis zum Triangulationspunkt – bis zum Ziel. Ich sammle nochmals alle Kräfte für die letzten Meter – schliesslich läuft die Stoppuhr und es kommt hier auf eine schnelle Zeit an!
Endlich geschafft! Ich komme oben auf dem höchsten Punkt des Mont Suchet an und bin einfach nur happy, egal, wie der Rang ausfällt! Ich mache vor Begeisterung einen Freudejubel und bin von der fantastischen Aussicht fasziniert!
Jetzt habe ich mal Zeit, um mir die Gegend anzuschauen: Es hat Wolken, aber man sieht die Alpen und den Neuenburgersee sowie den Lac Léman – einfach genial! Weil der Wind hier oben extrem stark ist und ich gleich auskühle, begebe ich mich hinunter zum Chalet du Suchet.
Erst bei der Rangverkündigung weiss ich, dass ich heute gewonnen habe! Ich freue mich extrem! Nun habe ich den Lauf zum 3. Mal gewonnen 🙂 Ich habe ihn bereits in den Jahren 2022 und 2024 gewonnen.












Was ist es, was Dir auf diesem Juragipfel so gefällt? Zum einen natürlich das Glücksgefühl, das Du beim schnellen Hinaufrennen immer hast. Zum andern die Aussicht (sofern das Wetter sie zulässt…). Und sonst? Es muss noch mehr sein. Vielleicht nach Bob Dylan: „The answer is blowing in the wind.“ Und Wind hat es auf dem Suchet meistens genug! – Gratulation zum Sieg – und auch zum tollen Bericht, der einen mitlaufen lässt!