Bei nebligem und kühlem Novemberwetter laufe ich heute meinen letzten Berglauf in diesem Jahr – den 3,8 Kilometer kurzen, dafür mit 659 Metern Steigung sehr steilen Verticale d’Hauterive.
Ich freue mich sehr auf meinen Berglauf-Saisonabschluss. Auch wenn ich seit dem letzten Berglauf wegen einer Erkältung einen 2-wöchigen Trainingsunterbruch hatte und als Vorbereitung für den heutigen Lauf dadurch nicht besonders viel trainieren konnte, bin ich voll motiviert und zuversichtlich, dass ich gut laufen werde.
Der Startschuss fällt um 10.00 Uhr in Hauterive; am Ufer des schönen Neuenburgersees. Das Ziel des anspruchsvollen Berglaufs ist auf dem Chaumont – dem Neuenburger Hausberg.
Am Start bin ich heute recht weit vorne im Läuferfeld eingereiht. Die Startstrecke führt auf asphaltierter Strasse vom Ufer des Neuenburgersees durch eine Unterführung unter der Hauptstrass und anschliessend durch das Winzerdorf. Ungefähr die ersten 500 Meter des Laufes sind flach, danach ist es steil bis zum Ziel.
Heute versuche ich, nicht wie üblich, mit mässigem Tempo zu starten, sondern den ersten Kilometer schnell zu laufen, damit ich im Läuferfeld möglichst weit vorne bleibe und ich später, wenn der Weg enger wird, nicht in einen Stau komme. Der Start ist heute wirklich sehr schnell. Ich versuche mit der Spitze des Läuferfeldes mitzuhalten und dies gelingt mir auch.
Bevor es in den Wald geht, läuft man über Treppenpassagen aus dem Dorf. Die Strasse ist noch etwas nass – vermutlich hat es vorher geregnet. Der Start war so schnell, dass ich keine Übersicht habe, wie viele Läuferinnen vor mir sind.
Nach diesem Schnellstart habe ich jedoch keine Zeit, mich zu «erholen» – vier, fünf Läuferinnen sind um mich herum und ich versuche, möglichst einige abzuhängen. Meine Strategie ist heut nicht, wie sonst, «meinen Stiefel» zu laufen und die Strecke schlau einzuteilen, sondern die Herausforderung des Duells anzunehmen und vom Start bis zum Ziel Vollgas zu laufen – mal schauen, was passiert 🙂
Nach dem ersten Kilometer führt die Strecke in den Wald. Dort ist der Naturweg sehr steil und wegen der Wurzeln und Steine technisch sehr anspruchsvoll. Zusätzlich wird das Laufen durch die dicke Laubschicht erschwert – man sieht die Unebenheiten nicht und rutscht beim kraftvollen Abstossen. Keine Bedingungen also, um ganz schnelle Zeiten zu laufen.
Ich versuche das hohe Tempo, das ich vom Start her angeschlagen habe, durchzuziehen, auch wenn ich ab jetzt praktisch nur noch am Anschlag laufe. Es ist zwar kühl, aber ich glühe. Ich laufe nun mit einem Abstand in Sichtweite hinter einer Läuferin. Nicht weit hinter mir ist mir bereits die nächste Läuferin auf den Fersen. Durch verschiedene Zuschauer, welche uns anfeuern, erfahre ich, dass die Läuferin vor mir die führende ist.
Ich versuche dranzubleiben. Der Abstand zur führenden Läuferin bleibt jedoch immer praktisch gleich. Jetzt läuft man direkt neben der Standseilbahn, welche von Neuenburg auf den Chaumont fährt. Es ist jetzt maximal steil (die steilste Stelle hat 28,6 Steigungsprozent!), teilweise muss man kraftraubende grosse Tritte nehmen und die vom Laub verdeckte unebene Strecke (Wurzeln und Steine) erfordert volle Konzentration.
Ich höre schon den Speaker am Ziel, auch wenn ich das Ziel nicht sehen kann, da die Endstation der Standseilbahn die Sicht verdeckt. Die letzten paar hundert Meter kommen – ich versuche, mein Tempo durchzuziehen, kann jedoch keinen Endspurt mehr hinlegen, da ich am Anschlag laufe. Die Läuferin vor mir hatte bis jetzt immer etwa den gleichen Abstand zu mir und legt am Schluss noch ein Brikett nach – sie gewinnt den Lauf, ich werde Zweite mit einem Rückstand von 15 Sekunden. Die dritte Läuferin kommt auch schon im Ziel an; sie hat einen Rückstand von 17 Sekunden auf mich.
Ich bin total happy auf dem schönen Chaumont angekommen und freue mich sehr über den tollen Lauf und die starke Leistung! Es ist ein schöner Saisonabschluss!
Zu meiner Überraschung ist mein Vater im Ziel und gratuliert mir, was mich sehr freut!
Zum Resultat:
Die Konkurrenz war heute extrem stark: Gleich drei Frauen laufen eine so schnelle Zeit und mit so wenig Abstand hintereinander ins Ziel! Hier die Ränge und Zeiten:
- Léna Beyeler 32:18
- Tatiana von Allmen 32:33
- Ruut Joensuu 32:50
Auch in der Overall-Rangliste mit den Männern sind wir hintereinander weit vorne: 13., 14. (ich) und 15.!
Ich stelle fest, dass ich an diesem Berglauf 3x gestartet bin (2019, 2022 und 2025) und noch nie in Bestform oder mit optimalen Voraussetzungen. So wie heute, nachdem ich einen erkältungsbedingten Trainingsunterbruch hatte. Umso mehr bin ich motiviert, nächstes Jahr nochmals zu starten und hoffe, das in sehr guter Form 😉













Liebe Tatiana
2025 war eine beeindruckende Saison: fast alle deiner Lieblingsläufe konntest du absolvieren und mit was für Erfolgen! Herzlichen Glückwunsch
In deinen Berichten kann man immer richtig mitfiebern und es auch im Nachhinein wieder erleben. Danke dafür und für die inspirierenden Stunden an den Rennen selber.
Für die kommende Saison wünsche ich dir nur das Beste – weiter so