2. Rang Verticale d’Hauterive NE – 9.11.2025

Bei nebligem und kühlem Novemberwetter laufe ich heute meinen letzten Berglauf in diesem Jahr – den 3,8 Kilometer kurzen, dafür mit 659 Metern Steigung sehr steilen Verticale d’Hauterive.

Ich freue mich sehr auf meinen Berglauf-Saisonabschluss. Auch wenn ich seit dem letzten Berglauf wegen einer Erkältung einen 2-wöchigen Trainingsunterbruch hatte und als Vorbereitung für den heutigen Lauf dadurch nicht besonders viel trainieren konnte, bin ich voll motiviert und zuversichtlich, dass ich gut laufen werde.

Der Startschuss fällt um 10.00 Uhr in Hauterive; am Ufer des schönen Neuenburgersees. Das Ziel des anspruchsvollen Berglaufs ist auf dem Chaumont – dem Neuenburger Hausberg.

Am Start bin ich heute recht weit vorne im Läuferfeld eingereiht. Die Startstrecke führt auf asphaltierter Strasse vom Ufer des Neuenburgersees durch eine Unterführung unter der Hauptstrass und anschliessend durch das Winzerdorf. Ungefähr die ersten 500 Meter des Laufes sind flach, danach ist es steil bis zum Ziel.

Heute versuche ich, nicht wie üblich, mit mässigem Tempo zu starten, sondern den ersten Kilometer schnell zu laufen, damit ich im Läuferfeld möglichst weit vorne bleibe und ich später, wenn der Weg enger wird, nicht in einen Stau komme. Der Start ist heute wirklich sehr schnell. Ich versuche mit der Spitze des Läuferfeldes mitzuhalten und dies gelingt mir auch.

Bevor es in den Wald geht, läuft man über Treppenpassagen aus dem Dorf. Die Strasse ist noch etwas nass – vermutlich hat es vorher geregnet. Der Start war so schnell, dass ich keine Übersicht habe, wie viele Läuferinnen vor mir sind.

Nach diesem Schnellstart habe ich jedoch keine Zeit, mich zu «erholen» – vier, fünf Läuferinnen sind um mich herum und ich versuche, möglichst einige abzuhängen. Meine Strategie ist heut nicht, wie sonst, «meinen Stiefel» zu laufen und die Strecke schlau einzuteilen, sondern die Herausforderung des Duells anzunehmen und vom Start bis zum Ziel Vollgas zu laufen – mal schauen, was passiert 🙂

Nach dem ersten Kilometer führt die Strecke in den Wald. Dort ist der Naturweg sehr steil und wegen der Wurzeln und Steine technisch sehr anspruchsvoll. Zusätzlich wird das Laufen durch die dicke Laubschicht erschwert – man sieht die Unebenheiten nicht und rutscht beim kraftvollen Abstossen. Keine Bedingungen also, um ganz schnelle Zeiten zu laufen.

Ich versuche das hohe Tempo, das ich vom Start her angeschlagen habe, durchzuziehen, auch wenn ich ab jetzt praktisch nur noch am Anschlag laufe. Es ist zwar kühl, aber ich glühe. Ich laufe nun mit einem Abstand in Sichtweite hinter einer Läuferin. Nicht weit hinter mir ist mir bereits die nächste Läuferin auf den Fersen. Durch verschiedene Zuschauer, welche uns anfeuern, erfahre ich, dass die Läuferin vor mir die führende ist.

Ich versuche dranzubleiben. Der Abstand zur führenden Läuferin bleibt jedoch immer praktisch gleich. Jetzt läuft man direkt neben der Standseilbahn, welche von Neuenburg auf den Chaumont fährt. Es ist jetzt maximal steil (die steilste Stelle hat 28,6 Steigungsprozent!), teilweise muss man kraftraubende grosse Tritte nehmen und die vom Laub verdeckte unebene Strecke (Wurzeln und Steine) erfordert volle Konzentration.

Ich höre schon den Speaker am Ziel, auch wenn ich das Ziel nicht sehen kann, da die Endstation der Standseilbahn die Sicht verdeckt. Die letzten paar hundert Meter kommen – ich versuche, mein Tempo durchzuziehen, kann jedoch keinen Endspurt mehr hinlegen, da ich am Anschlag laufe. Die Läuferin vor mir hatte bis jetzt immer etwa den gleichen Abstand zu mir und legt am Schluss noch ein Brikett nach – sie gewinnt den Lauf, ich werde Zweite mit einem Rückstand von 15 Sekunden. Die dritte Läuferin kommt auch schon im Ziel an; sie hat einen Rückstand von 17 Sekunden auf mich.

Ich bin total happy auf dem schönen Chaumont angekommen und freue mich sehr über den tollen Lauf und die starke Leistung! Es ist ein schöner Saisonabschluss!

Zu meiner Überraschung ist mein Vater im Ziel und gratuliert mir, was mich sehr freut!

Zum Resultat:

Die Konkurrenz war heute extrem stark: Gleich drei Frauen laufen eine so schnelle Zeit und mit so wenig Abstand hintereinander ins Ziel! Hier die Ränge und Zeiten:

  1. Léna Beyeler 32:18
  2. Tatiana von Allmen 32:33
  3. Ruut Joensuu 32:50

Auch in der Overall-Rangliste mit den Männern sind wir hintereinander weit vorne: 13., 14. (ich) und 15.!

Ich stelle fest, dass ich an diesem Berglauf 3x gestartet bin (2019, 2022 und 2025) und noch nie in Bestform oder mit optimalen Voraussetzungen. So wie heute, nachdem ich einen erkältungsbedingten Trainingsunterbruch hatte. Umso mehr bin ich motiviert, nächstes Jahr nochmals zu starten und hoffe, das in sehr guter Form 😉

Hauterive am schönen Neuenburgersee. Rechts die Startstrecke.
Anstatt einer schönen Aussicht hat man heute nur Nebel.
Die einzigen flachen Meter: Durch das Dorf Hauterive. Das Foto ist vom Veranstalter, siehe Homepage: La Verticale d’Hauterive
Blick Richtung Chaumont. Im oberen Teil der Strecke läuft man entlang der Standseilbahn.
Hier der Blick nach unten in Richtung Neuenburg.
Auf dem Chaumont: Der Aussichtsturm.
Heute kann man die Berge und den Neuenburgersee nur erahnen.

3. Sieg bei Verticale du Suchet VD – 5.10.2025

Wie der Name des Laufs schon verrät, ist er eine besondere Form des Berglaufs: Vertikal, also vom Start Refuge du Mélèze (am Fusse des Mont Suchet) bis zum Ziel auf dem Mont Suchet verläuft die Strecke auf dem kürzesten Weg direkt hinauf. Die Strecke ist nur 4 Kilometer lang, dafür hat sie eine Steigung von satten 900 Metern!

Was im Vergleich zu anderen Bergläufen auch speziell ist, ist der Start: kein Massenstart wie üblich, sondern Einzelstart. Alle 20 Sekunden startet ein Läufer / eine Läuferin. Der Vorteil dabei ist, dass es am Anfang auf dem engen Waldpfad keinen Stau gibt – jeder läuft für sich und hat genug Platz. Ein Nachteil ist, dass man den direkten Vergleich mit der Konkurrenz nicht hat. Ich weiss beim Zieleinlauf nicht, auf welchem Rang ich bin.

Als ich am Morgen in Six Fontaines mit dem Zug ankomme, ist es bewölkt und trocken, aber noch etwas frisch. Ich blicke Richtung Gipfel des Mont Suchet, welcher im Nebel liegt. «Es wird dort vermutlich windig und kalt sein», geht es mir durch den Kopf. Ich marschiere ein paar Minuten den Forstweg entlang vom kleinen Bahnhof Six Fontaines zum Startgelände. Dort laufe ich mich ein – im Gewusel der anderen Läuferinnen und Läufer, welch sich ebenfalls für den Lauf bereit machen.

Im Kopf bin ich noch etwas müde, da ich für die Anreise ziemlich früh aufstehen musste. Aber körperlich fühle ich mich fit. Um 09:59:20 starte ich. Die ersten Meter führen auf der Ebene über den Forstweg, gefolgt von einer scharfen Linksabzweigung in den Wald. Von hier an ist es steil und wegen der vielen Wurzeln und Steine technisch anspruchsvoll, was mir sehr gut liegt.

Ich starte mässig schnell und versuche ein gutes Grundtempo zu finden – nicht zu langsam (die Zeit läuft), aber auch nicht zu schnell, damit ich im oberen Teil noch Reserven habe.

Die Strecke führt im unteren Bereich durch den Wald. Immer wieder quert man die Strasse, welche bis zum Chalet du Suchet führt. Im oberen Bereich kommt man aus dem Wald und läuft über steile Weiden.

Im Wald ist es angenehm. Es ist bis zum Start sogar etwas wärmer geworden. Ich überhole heute viele Läuferinnen und Läufer, also gehe ich davon aus, dass ich schnell unterwegs bin. Der Boden ist vom Regen teilweise etwas matschig und die Wurzeln sind glitschig – man muss sehr konzentriert laufen.

Als ich aus dem Wald komme und mich über der Baumgrenze befinde, geht ein rauer und eisiger Wind. Mir ist es recht, mir ist warm von der Anstrengung. Jedoch wird der Wind weiter oben stärker und kühlt die Beinmuskulatur aus. Auf dem obersten und letzten Abschnitt, kurz vor dem Gipfel, ist es extrem windig, sodass es gefühlt doppelt anstrengend ist. Der Aufstieg ist jetzt so steil, dass man mit Rennen nicht mehr schnell ist – ein dynamischer Marsch mit kraftvollen langen Schritten ist in dieser Steilheit schneller. Ich stelle um. Nur noch einige Meter bis zum Triangulationspunkt – bis zum Ziel. Ich sammle nochmals alle Kräfte für die letzten Meter – schliesslich läuft die Stoppuhr und es kommt hier auf eine schnelle Zeit an!

Endlich geschafft! Ich komme oben auf dem höchsten Punkt des Mont Suchet an und bin einfach nur happy, egal, wie der Rang ausfällt! Ich mache vor Begeisterung einen Freudejubel und bin von der fantastischen Aussicht fasziniert!

Jetzt habe ich mal Zeit, um mir die Gegend anzuschauen: Es hat Wolken, aber man sieht die Alpen und den Neuenburgersee sowie den Lac Léman – einfach genial! Weil der Wind hier oben extrem stark ist und ich gleich auskühle, begebe ich mich hinunter zum Chalet du Suchet.

Erst bei der Rangverkündigung weiss ich, dass ich heute gewonnen habe! Ich freue mich extrem! Nun habe ich den Lauf zum 3. Mal gewonnen 🙂 Ich habe ihn bereits in den Jahren 2022 und 2024 gewonnen.

3. Sieg am Wildspitzlauf SZ – 28.09.2025

Es ist ein schöner Herbsttag. Auch was die Temperatur angeht, ist es für einen Berglauf gerade richtig: nicht zu warm und nicht zu kalt.

Der Start des kurzen, aber sehr steilen Berglaufs im Kanton Schwyz ist in Steinerberg. Der Lauf ist 7,75 Kilometer lang und hat eine Steigung von 970 Metern!

Ich befestige meine Startnummer am Laufshirt, auf welcher mein Name, ein Foto meiner letzten Teilnahme und alle meine hier gelaufenen Zeiten drauf sind. Beim Betrachten der Startnummer wird mir bewusst, dass ich hier heute zum 8. Mal starte. Ich bin hier bereits so oft gestartet, weil mir der sympathische Berglauf so gut gefällt und weil mir die Steilheit so gut liegt!

Ich laufe mich gut ein, denn es geht vom ersten Meter an steil los. Um 10.45 Uhr fällt der Startschuss. Ich laufe zügig los, aber nicht zu schnell. Schliesslich will ich im obersten Teil noch Reserven haben, damit ich dort, wo es über Wurzeln und steile Wiesen geht, meinen Vorteil ausspielen kann. Ich muss zuerst meinen Laufrhythmus finden. Schon auf dem ersten Kilometer bin ich bei den Läuferinnen an erster Stelle, was jedoch nicht unbedingt beruhigend ist – ich rechne jederzeit damit, dass mich eine noch schnellere Läuferin überholt.

Die Strecke führt zu etwa zwei Dritteln über eine geteerte Strasse, welche jedoch sehr steil ist. Auf dieser Strecke muss man seine Kräfte gut einteilen. Ich laufe flüssig und ich fühle mich heute gut. Auch meine Beine fühlen sich leicht an.

Ein Abstecher in den Wald unterbricht für kurze Zeit den Lauffluss, da der steile, durch Wurzeln gezeichnete Wanderweg grosse, kraftvolle Tritte erfordert. Zuerst habe ich den Eindruck, dass ich langsam bin. Als ich den Läufern vor mir jedoch immer näherkomme, muss ich meinen Eindruck korrigieren. Der technische Teil liegt mir sehr und ich überhole am Ende dieses Abschnittes noch ein paar Läufer.

Der extrem steile Aufstieg wird durch einen ca. 1 Kilometer langen flacheren Abschnitt unterbrochen, wo man die von der Steigung angespannten Waden etwas lockern kann 😉 Im oberen Drittel läuft man auf Naturwegen – hier kann ich wieder meinen Vorteil ausspielen, da mir das technische Laufen liegt. Allerdings ist es heute nicht ganz einfach, ¨über die Matten zu laufen, da der Regen in dieser Woche den Boden ziemlich durchnässt hat und man aufpassen muss, wo man hintritt und dass man nicht ausrutscht – also keine Bedingungen für eine schnelle Laufzeit.

Ich laufe «meinen Stiefel» bis zum Ziel. Auch wenn ich auf dem letzten Kilometer, wo man von der morastigen Wiese wieder auf einen zum Laufen angenehmeren Wanderweg kommt (kein Rutschen mehr beim Laufen), jetzt am Anschlag laufe, komme ich mit einem recht grossen Vorsprung auf die zweite Läuferin (2:10 Minuten) ins Ziel.

Ich freue mich extrem über den tollen Lauf und die tolle Leistung (unabhängig vom Rang) sowie über die wahnsinnig schöne Aussicht hier oben! Ich kann mich fast nicht sattschauen! Ich war wie schon erwähnt 7-mal hier oben und oft hatte es hier Nebel oder die Sicht war durch Wolken getrübt. Und heute sowas! Ich bereue einzig, dass ich mein Handy nicht hier oben habe – wenigstens für ein Foto dieser fantastischen Aussicht mit dem unglaublich faszinierenden Bergpanorama! Egal, ich geniesse es und komme bestimmt wieder – für eine solche Aussicht würde ich noch 100-mal hier raufrennen!

Ich stelle fest: Ich bin am Wildspitzlauf 8-mal gestartet, habe 3-mal gewonnen (2012, 2023 und 2025) und war nie schlechter als 2. Läuferin Overall – was für eine Bilanz! Dann kommt noch hinzu, dass ich heute meinen ersten Berglauf mit 40 Jahren gemacht und erst noch gewonnen habe 😉

Infos zum Lauf: www.ktvsteinerberg.com

Nicht mehr weit bis zum Ziel. Foto von Petra Ulrich.
Overallpodest der Damen: Links im Bild Gloria Müller (2. Frau) und rechts Marlen Gisler (3. Frau). Das Foto ist von Petra Ulrich.
Foto von Petra Ulrich.

6. Sieg bei La Grimpette des Bedjuis VS – 13.9.2025

Im Dunklen stehe ich am Morgen früh auf. Die Tage sind wieder merkbar kürzer und draussen ist es morgens ein wenig frisch.

Heute laufe ich nach fast elf wettkampffreien Monaten wieder einmal einen Berglauf. Ich habe keine Ahnung, wo ich leistungsmässig stehe, aber ich fühle mich heute gut und freue mich auf einen meiner absoluten Lieblingsbergläufe: Grimpette des Bedjuis – 6,3 Kilometer Distanz und 960 Meter Steigung! Der Berglauf ist nicht sehr lang, aber sehr, sehr steil; was mir sehr liegt.

Mit dem Zug fahre ich ins Wallis und lasse mich von der stimmungsvollen Morgendämmerung mit Bergsicht auf den Lauf einstimmen.

Schon beim Einlaufen merke ich, dass ich heute gute Beine habe. Auch das Wetter ist für den Wettkampf sehr angenehm: Bewölkt und trocken, nicht zu warm und nicht zu kalt. Gerade richtig.

Da ich den Lauf bereits 5-mal gewonnen habe und in einer Woche bereits meinen 40. Geburtstag feiern darf, verspüre ich keinen Druck, ein Topresultat abliefern zu «müssen». Ich habe nichts zu verlieren – im Gegenteil – ich kann nur gewinnen. Ich hatte schon so viele schöne Läufe gemacht und tolle Resultate erzielt, dass jedes weitere gute Resultat an einem Lauf für mich eine Zugabe ist.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mich zurücklehne – heute will ich nochmals Vollgas geben!

Der Startschuss fällt um 10.00 Uhr im Tal in Riddes. Den ersten Kilometer des Berglaufs nehme ich locker unter die Füsse, da dieser durch das Dorf geht und nur leicht coupiert ist. Es hat viele junge Läuferinnen und Läufer, welche sehr schnell starten. Nach ein paar hundert Metern bin ich im Läuferfeld dadurch ziemlich weit hinten. Aber das beunruhigt mich nicht, denn ich weiss aus Erfahrung, dass man an diesem steilen Berglauf seine gute Performance nicht auf dem ersten Kilometer verspielen darf und daher nicht zu schnell starten sollte. Zu schnelle Starts rächen sich auf den folgenden steilen Kilometern mit klaren Tempoeinbussen!

Nach dem Dorf führt die Strecke nach einer Rechtsabzweigung in die erste richtige Steigung, welche anschliessend in die steinigen Serpentinen Richtung Bergdorf Isérables führt.

Nach dem ersten «lockeren» Kilometer konzentriere ich mich auf den steilen Aufstieg über den Serpentinenpfad, wo ich anfange zu überholen. Der Naturweg ist steinig und nicht sehr breit, was das Überholen etwas erschwert und Kraft kostet. Nach einer Weile bin ich im Läuferfeld, welches sich nun ziemlich auseinandergezogen hat, tempomässig richtig «eingereiht».

Nach dem Aufstieg über den Serpentinenweg folgt ein längerer, aber nicht minder anstrengender Abschnitt auf der Strasse Richtung Bergdorf Isérables. Ich versuche ein schnelles, aber nicht zu schnelles Tempo anzuschlagen, so, dass ich für den letzten extrem steilen Kilometer (im Schnitt 30%!!) noch Reserven habe.

Durch das Dorf Isérables zu laufen ist sehr motivierend, da überall am Strassenrand Zuschauer stehen, welche einen anfeuern. Als ich bei der Zwischenwertung vorbeirenne, wird angekündigt, dass ich die führende Läuferin bin. Den Überblick, an welcher Position ich mich befinde, hatte ich bis jetzt nicht. Ich freue mich natürlich über dieses Zwischenresultat und bin total motiviert, es zu halten.

Als ich mal einen Kontrollblick nach hinten mache, sehe ich keine Verfolgerin in nächster Nähe. Ich bin sehr locker unterwegs – fast ein wenig zu locker; um einen Becher Wasser zu trinken halte ich beim Verpflegungsposten sogar an, das mache ich sonst nie und eigentlich hat man an einem Wettkampf auch keine Zeit für sowas (vor allem dann nicht, wenn es um den Sieg geht)…

Anschliessend steche ich gestärkt in den berühmtberüchtigten letzten Kilometer. Ich laufe flüssig und renne meistens. Nur bei den gefühlt «überhängenden» Abschnitten nehme ich lange, dynamische Marschschritte, weil es im Endeffekt schneller ist. Ich schaue nochmals zurück, ob ich von einer schnellen Läuferin verfolgt werde, aber ich habe den Überblick nicht, da sich auf dem letzten Kilometer die Läufer mit den 30 Minuten früher gestarteten Walkern vermischen.

Ich bin schnell unterwegs, aber ich laufe nicht am Anschlag. Kein einziges Mal habe ich auf meine Stoppuhr geschaut, aber mein Gefühl sagt mir, dass ich eine gute Zeit laufe.

Meine guten Beine tragen mich heute zum 6. Sieg bei Grimpette des Bedjuis über die Ziellinie. Ich laufe eine schnelle Zeit von 50:38 und bin einfach nur happy, dass ich eine Woche vor meinem 40. Geburtstag eine solche tolle Zugabe in meiner Berglaufkarriere erleben darf! Es ist unglaublich!

In den folgenden Jahren habe ich Grimpette des Bedjuis bereits gewonnen:

2012 in 52:30

2013 in 50:31

2015 in 48:41

2016 in 48:31 meine persönliche Rekordzeit

2024 in 51:42

Nachbemerkung: Im Wallis hat es «an jeder Ecke» einen Berglauf. Vielfach machen die Clubs und ganze Familien mit, was wiederum dazu beiträgt, dass nicht nur ein toller Event stattfindet, sondern auch die Freude am Sport und an der Bewegung in der Natur gefördert werden. So werden auch Talente entdeckt. Es ist daher kein Zufall, dass erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler aus dem Wallis kommen.

Das Bergpanorama von Riddes aus gesehen.

Der Start war unten im Tal in Riddes – hier von Isérables aus gesehen. Das Ziel ist noch weiter oben: Auf Les Crêteaux.

Den tollen Siegerpreis, gesponsert vom ehemaligen Schweizer Spitzenathlet Tarcis Ançay, habe ich gleich anprobiert 🙂 An dieser Stelle: Vielen Dank!!

3. Rang bei La Dérupe Chalais – Vercorin VS – 26.10.2024

Dieses Jahr habe ich an zwei Bergläufe teilgenommen, die ich zuvor noch nie gemacht habe. Nun folgt der dritte: La Dérupe – 5 Kilometer Streckenlänge und 800 Meter Steigung von Chalais nach Vercorin.

Um diese Jahreszeit ist es ist schon recht kalt, man muss sich vor dem Start gut einlaufen. Die Startstrecke führt kurz über eine asphaltierte Strasse durch das Dorf Chalais, bevor es auf einen Naturweg übergeht. Der steile Aufstieg wird paarmal von kurzen, flachen Abschnitten resp. einem leichten Abstieg unterbrochen.

Heute starte ich etwas schneller als sonst, da ich befürchte, in engen Passagen nicht überholen zu können, wenn es mir gut läuft. Wie sich in der zweiten Hälfte des Laufs zeigt, bin ich leider zu schnell los. Ich bin zwar nicht langsam unterwegs, aber ich kann im oberen Teil nicht mehr aufdrehen. Als ich ins Ziel laufe, bin ich deshalb nicht ganz zufrieden mit dem Lauf, auch wenn das Resultat sehr gut ist – Ich weiss, dass ich es besser kann.

Ich werde Dritte hinter der Siegerin Laura Bocchino und der zweiten Frau Aurelia-Maxima Janzen.

Mit meinem Sieg vom letzten Wochenende am Jeizibärg-Lauf und dem heutigen Podestplatz gewinne ich die Kombinationswertung der beiden Walliser Bergläufe.

In der Nähe des Starts: Der Sportplatz in Chalais.
Sicht aus der Seilbahnbergstation in Vercorin.
Aussicht über das Tal.

4. Sieg am Jeizibärg-Lauf VS – 20.10.2024

6,15 km und 885 m Steigung

Ich freue mich riesig, wieder einmal am schönen Jeizibärg-Lauf teilnehmen zu können! Meine letzte Teilnahme am Walliser Klassiker ist schon einige Jahre her.

Es ist einer der ersten und liebsten Bergläufe, die ich in meiner Laufkarriere gemacht habe – das erste Mal bin ich hier im Jahr 2004 gestartet. Ich wurde damals 5. mit einer Laufzeit von 52:08. Das war schon damals ein sehr gutes Resultat und zeigt, dass mir der kurze, dafür sehr steile Berglauf, liegt – eben kurz und knackig, so, wie ich es mag!

Bisher habe ich den Lauf in den Jahren 2011, 2015 und 2016 gewonnen. Ich bin dadurch sehr motiviert und im Hinterkopf schwebt mir ein Sieg vor…

Vor dem Lauf bin ich sehr konzentriert. Bei der Startnummernausgabe ist für mich die Startnummer 17 reserviert – meine Lieblingszahl – was mir zusätzlich ein gutes Gefühl gibt.

Das gute Gefühl bestätigt sich im Wettkampf – ich gewinne den Jeizibärg-Lauf zum 4. Mal mit einer Laufzeit von 45:40 mit einem sehr komfortablen Vorsprung von 3:22 auf die zweite Läuferin Aurelia-Maxima Janzen und 5:24 auf die Dritte Melanie Gobiet. Meine Bestzeit verfehlte ich somit um 1:29.

Aurelia-Maxima Janzen ist übrigens eine sehr erfolgreiche Ruderin – unter anderem wurde sie dieses Jahr bei den Olympischen Spielen starke Neunte im Einzel und 2023 Europameisterschaftszweite.

Total happy, den für mich sehr bedeutungsvollen Berglauf zum 4. Mal gewonnen zu haben, geniesse ich den Erfolg und die wunderschöne Aussicht von Jeizinen aus, welche absolut verdient ist! 😉

Ein grosses Kompliment geht an die tolle Organisation des Berglaufs und ein riesiges MERCI an den langjährigen OK-Präsidenten Benno Hildbrand, welcher sich immer mit viel Herzblut engagiert!

Ebenfalls ein grosses MERCI meinen beiden treuen Begleitern: Daniela Siegenthaler und Hansruedi Bühler!

6,15 km und 885 m Steigung
Der OK-Präsident Benno Hildbrand überreicht die Preise.
Mit dem Sieger Maximilien Drion.

2. Sieg am Verticale du Suchet VD – 5.10.2024

Früh am Morgen bin ich schon im Zug Richtung Yverdon-les-Bains. Als es langsam hell wird, freue ich mich über das sonnige Wetter. Der Himmel ist nur mit paar Wolkenschleiern versehen. Der Blick Richtung Juragebirge trübt jedoch meine Euphorie – dicke Wolken kleben entlang der ganzen Jurakette!

In Six-Fontaines steige ich aus und marschiere paar Minuten bis zum Startgelände des Verticale du Suchet, welches sich im Wald befindet.

Der Verticale ist eine spezielle Form von Berglauf: Der Lauf auf den Mont Suchet ist nur 4 Kilometer lang, hat aber eine Steigung von 900 Metern! Die Strecke führt also auf ziemlich direktem Weg zum Ziel, hier zum höchsten Punkt auf dem Mont Suchet auf 1’588 m ü. M. Hier ist auch kein Massenstart, wie üblicherweise bei den Bergläufen, sondern Einzelstart. Das heisst: Zwischen 10.00 und 12.00 Uhr startet alle 30 Sekunden ein/e Läufer/in. Mein Start ist um 10:57:30 🙂

Langsam mache ich mich bereit für den Start. Ich bin heute ziemlich nervös, das war ich schon länger nicht mehr vor einem Lauf. Ich weiss, dass mir der Lauf sehr gut liegt, denn ich habe ihn bei meiner letzten Teilnahme im Jahr 2022 gewonnen.

Nochmals richtig durchatmen und dann geht’s schon los. Ich starte in mittlerem Tempo. Die ersten paar Meter geht es flach und nach einer Linkskurve in einen technisch anspruchsvollen Waldweg, der schon ziemlich steil anfängt. Der Weg führt über Wurzeln und grobe Steine, was mir aber sehr gut liegt. Nach einer Weile fange ich an, die ersten Läufer zu überholen.

Die Temperatur ist für mich angenehm (also kühl) und trocken ist es auch. Es herrschen also ideale Bedingungen. Ein paar Mal quere ich die Fahrstrasse, welche zum Chalet du Suchet führt.

Nach dem 1. Drittel führt die Strecke über eine Weide. Dort merkt man, dass es in den letzten Tagen viel geregnet hat, denn es ist matschig und man muss zum Teil aufpassen, dass man nicht rutscht.

Ich überhole Läufer um Läufer, was mir das Gefühl gibt, schnell unterwegs zu sein. Jetzt bin ich wieder im Wald. Es geht immer steil über Stock und Stein. Bis jetzt war es angenehm. Plötzlich, wie aus dem Nichts, wird es viel kälter und ich befürchte, dass es zu regnen beginnt.

Ich überquere zum letzten Mal die Fahrstrasse. Jetzt kommen die steilsten Meter des Laufes: Eine Tafel zeigt an, dass noch 200 Höhenmeter bis zum Ziel zu bewältigen sind. Der Regen kommt zum Glück nicht, dafür bin ich in Nullkommanichts in dichtem Nebel und extrem starkem Wind ausgesetzt! Jetzt geht es „nur“ noch ganz steil und ganz direkt Richtung Triangulationspunkt auf dem Suchet, wo sich das Ziel befindet – wegen des Nebels muss ich mich immer wieder vergewissern, dass ich noch in die richtigen Richtung laufe.

Ich werde richtig euphorisch und lege noch einen Zahn zu. Wegen des starken und kalten Windes fühlen sich meine Beine an wie Steine – steif gefroren und unbeweglich. Trotzdem läuft es mir sehr gut und ich überhole kurz vor dem Ziel nochmals einen Läufer. Völlig ausgepowert, fast atemlos und jauchzend vor Übermut komme ich oben im Ziel an und bin extrem happy über diesen gelungenen Lauf! In diesem Moment weiss ich zwar meinen Rang noch nicht, aber die Freude ist so gross, wie schon lange nicht mehr an einem Lauf, dass es jetzt keine Rolle spielt! Da das Ziel auf dem höchsten Punkt des Mont Suchet und es hier so exponiert ist, hat man hier ein richtiges „Gipfelgefühl“. In Kombination mit der körperlichen Leistung bin ich noch eine ganze Weile in einem Rausch 🙂

Durch stockdichten Nebel marschiere ich zum Chalet du Suchet, welches sich ca. 200 Höhenmeter weiter unten befindet. Wie andere Läufer verirre ich mich ein paar Mal durch den Neben (man sieht wirklich fast nichts mehr…) bis ich das Chalet finde. Dort wartet mein Rucksack mit warmer Kleidung. Erst viel später löst sich der Nebel auf. Von hier aus hat man eine fantastische Aussicht: Man sieht die Alpen, den Neuenburgersee und den Lac Léman.

Da Einzelstart ist, wird die Rangliste erst nach Zieleinlauf des letzten Läufers im Internet aufgeschaltet. Ich gedulde mich bis dahin…

Am Nachmittag ist es soweit: Die Rangliste steht und mein gutes Gefühl am Lauf wird bestätigt! Ich habe also tatsächlich gewonnen!! Zweite wird Melanie Naulot und Dritte Lena Breitler.

Hier unten aus der Sicht vom Chalet du Suchet: Oben beim Triangulationspunkt ist das Ziel.
Chalet du Suchet
Die Windfahne spricht für sich….

2. Rang am Wildspitzauf SZ – 22.9.2024

Vor zwei Wochen am Berglauf „Grimpette des Bedjuis“ im Wallis hatten wir 30°C und kurz darauf einen Wintereinbruch in den Bergen, was sich im Flachland durch sehr tiefe Temperaturen bemerkbar machte. Der Sommer war von da an vorbei. Heute, am Tag des Wildspitzlaufs im Kanton Schwyz, ist es zwar kühl, aber für eine Berglauf sehr angenehm. Der Lauf ist 7,75 km lang und hat eine Steigung von 970 m.

Den Wildspitzlauf habe ich bereits 6x gemacht. Insgesamt habe ich den Lauf 2x gewonnen, und zwar in den Jahren 2012 und 2023, und war nie schlechter als 2. 🙂 Letztmals habe ich diesen Lauf letztes Jahr gemacht. Es war in einer langen Phase mit Trainings- und Wettkampfpause mein einziger Lauf im Jahr 2023 gewesen, und ich habe ihn gewonnen. Ich freue mich heute sehr auf den Lauf.

Die Anreise am Morgen früh mit dem Zug ist immer sehr stimmungsvoll: Der schöne Sonnenaufgang und die teilweise mit leichtem Nebel durchzogene See- und Berglandschaft stimmen einen positiv auf das Kommende.

Mit guten Beinen renne ich in mittlerem Tempo los, als um 10.45 Uhr in Steinerberg der Startschuss fällt. Es hat noch eine leichte Bewölkung, die sich aber während des Laufs langsam auflöst. Es ist von Anfang an sehr steil. Die Strecke führt grösstenteils über eine geteerte Strasse. Ich mache mir Gedanken darüber, ob ich etwas zu schnell gestartet bin, da ich im Feld schon recht weit vorne bin. Aber ich fühle mich gut und laufe so weiter.

Von Anfang an läuft Nora Fehlbaum voraus. Auf steiler Strasse mit einem kurzen Flachstück dazwischen laufe ich „meinen Stiefel zusammen“. Eine Phase lang bin ich nicht voll konzentriert und habe das Gefühl zu „bummeln“. Als jedoch die Strecke in einer Linkskurve ca. 2 Kilometer vor dem Ziel auf einen Naturweg abzweigt, über Stock und Stein entlang dem Waldrand führt und auf einer Wiese weitergeht, werde ich geweckt – ich mag diesen Abschnitt und versuche das Tempo etwas zu steigern.

Ich bin recht flott unterwegs, auch wenn ich die führende Läuferin am Ende nicht einholen kann. Sie ist eine knappe Minute voraus.

Von der steilen Wiese nehme ich die letzte Linkskurve auf einen Fahrweg, welcher direkt zum Gipfel führt. Ein rauer Wind weht. Ich versuche das Tempo zu halten und laufe mit einer schnellen Zeit von 52:41 als 2. Läuferin ins Ziel.

Oben angekommen, habe ich ein gemischtes Gefühl – ich denke, dass ich heute nicht das Optimum aus mir herausholen konnte, aber trotzdem bin ich im Allgemeinen sehr zufrieden und freue mich über diesen tollen Lauf und das Resultat! Schliesslich war ich schneller als letztes Jahr!

Wie erwähnt, gewinnt Nora Fehlbaum und Dritte wird Nadja Kessler.

Foto vom Veranstalter des Berglaufs KTV Steinerberg

5. Sieg bei La Grimpette des Bedjuis VS – 7.9.2024

Schon früh am Morgen fahre ich mit dem Zug ins Wallis nach Riddes, das sich zwischen Sion und Martigny befindet. Während der Zugfahrt höre ich ein paar Songs von Chris Stapleton, um mich auf meinen dritten Berglauf dieser Saison zu fokussieren. Mehrmals hintereinander höre ich den Song „White Horse“.

Ich steige in Riddes aus. Es ist wolkenlos und ein frischer Wind weht. Die Vorfreude ist gross: Ich habe den Lauf bereits 4x gewonnen, und zwar in den Jahren 2012, 2013, 2015 und 2016.

Es ist einer meiner Lieblingsläufe, da er mit 6,3 Kilometern zwar nicht sehr lang, aber dafür mit 960 Metern Steigung sehr, sehr steil ist. Meine Stärken liegen hier vor allem im unteren Abschnitt zwischen Riddes und Isérables, wo ein steiler Serpentinenweg hinaufführt, und auf dem letzten, praktisch überhängenden Kilometer. Der berühmtberüchtigte letzte Kilometer hat eine Steigung von 30% auf Naturweg!! Ich liebe ihn 🙂

Noch liegt Riddes im Schatten. Ich laufe mich vor dem Start ein. Musik läuft, die Stimmung ist gut. Der Lauf wird heute zum 20. Mal ausgetragen. Zudem ist hier heute die Walliser Berglauf-Kantonalmeisterschaft – an guter Konkurrenz fehlt es also nicht.

Um 10.00 Uhr fällt der Startschuss. Der erste Kilometer durch das Dorf verläuft anders als in den Jahren zuvor. Es geht zuerst ein wenig bergauf, nach einer Linkskurve dann flach, anschliessend folgt ein Abstieg. Hier werde ich von etlichen Läuferinnen und Läufern überholt, denn ich habe mir vorgenommen, den ersten Kilometer nicht zu schnell zu laufen – schliesslich wird es noch hart genug. Ich verliere den Überblick, wie viele Läuferinnen nun vor mir sind. Als es nach einer Rechtskurve endlich bergauf in den Wanderweg geht, fange ich langsam an zu überholen.

Der Serpentinenweg ist steinig und steil und er liegt mir sehr, wie schon erwähnt. Jetzt überhole ich alle, die zu euphorisch gestartet sind. Da der Pfad schmal ist, ist es auch nicht immer ganz einfach zu überholen; es kostet auch zusätzliche Energie. Irgendwo im letzten Viertel der Serpentinen laufe ich auf Mélanie Gobiet auf. Ich bleibe hinter ihr und sammle nun meine Kräfte für später und vor allem für den letzten Kilometer 😉

Der Serpentinenweg endet und es geht nun auf die geteerte Strasse Richtung Bergdorf Isérables. Bisher war man meistens noch im Schatten. Doch hier hat die Sonne den Hang bereits erreicht. Es fühlt sich richtig heiss an.

Kurz vor Dorfeingang wage ich es und überhole Mélanie Gobiet. Allerdings habe ich keinen blassen Schimmer, an welcher Position ich mich befinde. Mit einem guten Gefühl passiere ich das Dorf Isérables, wo es etwas flacher wird. Ich versuche mich nochmals ein wenig zu lockern und sammle meine Kräfte für meinen liebsten Abschnitt: den letzten Kilometer.

Bevor es richtig steil wird, kommt noch ein ganz kurzer Abstieg. Ich rechne immer damit, dass mich hier Mélanie Gobiet wieder überholt. Aber es ist nicht so. Ich nehme den letzten Kilometer unter die Füsse. Der Naturweg wird immer steiler und steiler. Ich überhole laufend Walker, die eine halbe Stunden vor uns gestartet sind. Meistens renne ich. Aber es hat ein paar Passagen, die so steil sind, dass ich mit grossen Schritten, vornübergebeugt, mit der Nasenspitze den Weg küssend, fliessend hinauflaufe. Es ist anstrengend, ich atme heftig, aber ich fühle mich sehr gut dabei und ich glaube auch, dass ich auf sehr gutem Kurs bin.

Total ausgepowert und glücklich überschreite ich die Ziellinie auf Les Crêteaux. Für mich fühlt es sich wie ein Sieg an, auch wenn ich in dem Moment meinen Rang noch nicht weiss. Erst bei der Rangverkündigung realisiere ich, dass ich hier zum 5. Mal gewonnen habe – unglaublich! Ich freue mich riesig und habe noch nicht genug – ich komme nächstes Jahr wieder!

Ein grosses DANKESCHÖN an den Veranstalter Club d’athlétisme de Vétroz für die tolle Organisation dieses sympathischen und exklusiven Walliser Berglaufs!! Und im Besonderen an Sylviane Bruchez aus dem Organisationskomitee für die Einladung und die freundliche Begrüssung.

Mein 5. Sieg am Berglauf!! 2. wird Mélanie Gobiet und 3. Julie Carron.
Der Veranstalter des Berglaufs: Club d’athlétisme de Vétroz
Der einzige flache Platz im Bergdorf Isérables: Der Fussballplatz.

2. Rang am Berglauf Cully – Tour de Gourze VD – 21.8.2024

Mein zweiter Berglauf nach so langer Trainings- und Wettkampfpause steht bevor. Den ersten dieser Saison habe ich im Zürcher Oberland bestritten. Dieser war zwar kurz, aber dafür sehr steil!

So auch der Berglauf heute mit Start in Cully am wunderschönen Lac Léman. Er ist 3,6 km lang und steigt 533 Meter! Ich freue mich riesig, wieder einmal zum Genfersee zu reisen. Wer schon einmal mit dem Zug Richtung Lausanne gefahren ist, weiss, wie genial die Aussicht vom Zug aus auf den See und die Berge ist – sobald man aus dem Tunnel kommt und zum ersten Mal den grossen See erblickt, ist man einfach fasziniert! Der „Wow-Effekt“ hält noch lange an und die Vorfreude auf den Lauf steigt.

In Cully angekommen, nehme ich es gemütlich. Auf einer Anzeigetafel erblicke ich, dass wir hier 29°C haben. Mir ist es zu heiss, um mich lange einzulaufen. Ich mache nur ein kurzes Aufwärmen.

Der Start ist um 19.00 Uhr. Der Lauf scheint beliebt zu sein – es sind insgesamt 481 Läuferinnen und Läufer am Start. Da es so viele Athleten am Start hat, weiss ich fast nicht, wo ich mich am Start einreihen soll. Ich bin irgendwo in der 3. oder 4. Reihe.

Stille. Konzentration. Kein Countdown. Der Startschuss fällt. Ich renne im mittleren Tempo los. Die ersten 800 Meter steigen noch nicht, der asphaltierte Weg ist etwas coupiert. Dann führt die Strecke nach einer Linksabzweigung auf ein Strässlein zwischen den Reben, und zwar von Anfang an extrem steil!! Man atmet von hier an schon ziemlich heftig, da man sich gar nicht langsam steigern kann – es geht gleich ans „Eingemachte“!

Mit Ausnahme von ein paar wenigen Metern, wo es flach ist, führt uns die Laufstrecke über eine „überhängend“ steile Strasse bis zum Ziel. Die Hitze und die Steilheit des Aufstiegs fordern alles ab. Die führende Läuferin hat einen beachtlichen Vorsprung, den ich nicht mehr verringern kann. Um mich herum hat es ein paar schnelle Läuferinnen. Wir duellieren uns. Am Ende gelingt es mir doch noch, meine Konkurrentinnen abzuschütteln, und ich komme fast atemlos als 2. Läuferin ins Ziel beim Tour de Gourze. Siegerin ist Sandra Annen und 3. Läuferin wird Clarisse Jeckelmann.

Überglücklich, so eine Leistung gebracht zu haben, und völlig fasziniert von dieser fantastischen Aussicht auf den prächtigen See und die wundervollen Berge, stehe ich oben im Ziel und kann mich fast nicht sattsehen.