Um 9Uhr 45 startet der Berglauf in Arth auf die Rigi. Es sind 11,3 km und 1‘380 Höhenmeter zu bewältigen. Der erste Kilometer führt über die Hauptstrasse Richtung Oberarth und steigt nur leicht. Ich starte nicht schnell und laufe als 8. Frau in die Steigung. Es ist sehr heiss heute und ich merke sogleich, dass ich mich zurückhalten muss, um nichts zu riskieren.
Langsam arbeite ich mich vor. Noch vor dem 3.Kilometer bin ich an 3. Stelle. Mit grossem Vorsprung läuft die führende Frau Fränzi Inauen, welche den Rigi-Berglauf bereits mehrmals gewonnen hat. Als Zweite folgt Nadja Kessler.
Die Hitze setzt mir heute mehr zu als mir lieb ist; die Gedanken schweifen ab und ich laufe unkonzentriert bergauf. Der erste Getränkeposten kommt erst nach 4 km. Ich versuche trotzdem, ruhig zu bleiben und das Tempo aufrecht zu erhalten, auch wenn sich die Beine nicht wie gewöhnlich leicht anfühlen. Im Schatten kann ich mich jeweils ein wenig erholen. Der Streckenabschnitt nach Kilometer 5 bis zum Klösterli kommt mir heute elend lang vor, da er der prallen Sonne ausgesetzt ist.
Nach dem Klösterli geht’s in den Wald und steigt von nun an enorm. Mit gefühltem ‚klebrigen‘ Schritt laufe ich über Stock und Stein. Als ich nach Kilometer 9 aus dem Wald komme und einen Blick in die Ferne wage, erblicke ich die nächste Frau vor mir: Fränzi Inauen, welche inzwischen von Nadja Kessler überholt worden ist. Immer wieder hat es Zuschauer, die mich anfeuern. Einer ermuntert mich zum Angriff: „Die nächste Frau ist nicht mehr weit.“ Jaja, schon gut…, denke ich – der Aufholweg in diesem Steilhang ist weiter als man glaubt.
Auch wenn ich glaube, heute am Anschlag zu laufen, und das Gefühl habe, mehr geht nicht, sehe ich, dass ich mich Fränzi Inauen nähere. Trotz der Hitze bewahre ich jetzt einen kühlen Kopf – ich versuche dranzubleiben. Mal schauen, was passiert, schliesslich habe ich heute wirklich nichts mehr zu verlieren. Beim letzten Verpflegungsposten (vor Kilometer 10) leere ich einen ganzen Becher Rivella, überquere die Bahngleise und setze zum Überholen an. Mit Reserven, an die ich nicht mehr geglaubt habe, laufe ich an Fränzi Inauen vorbei und ziehe das angezogene Tempo im extrem steilen und harten Schlussaufstieg bis ins Ziel durch. Somit bin ich glückliche Zweite am Rigi-Berglauf!
Ich freue mich über das Resultat, auch wenn es heute hart war und alles andere als optimal! Ich weiss, es liegt mehr drin, was die gelaufene Zeit betrifft, denn diese ist nicht ganz im Verhältnis zu den letzten Resultaten. Mission Rigi also noch nicht beendet. Darum: Rigi, ich komme ganz bestimmt wieder!





Auf der Rigi fehlt zur Krönung nur noch ein Sieg
hb. Tatiana hat bei ihrer neunten Teilnahme am Rigi-Berglauf zum siebten Mal den Sprung aufs Podest des Frauenrennens geschafft: Viermal war sie Zweite, dreimal Dritte. Nun fehlt nur noch die Krönung: ein Sieg. Obschon der Lauf mit den vielen Höhenmetern und dem Ziel auf 1800 m ü. M. ihr liegen sollte, ist Tatiana bisher noch kein Traumlauf auf die Rigi gelungen. Vielleicht beim nächsten Versuch!



