Bevor meine Sommerferien beginnen, studiere ich das Berglaufprogramm von Swiss Running. Ich muss nicht lange überlegen – mein nächstes Rennen wird der Vogellisi Berglauf sein: 12,6 km Streckenlänge und 860 m Höhenunterschied von Adelboden bis Sillerenbühl! Ich entscheide mich nach Bauchgefühl für diesen Berglaufklassiker im Berner Oberland. Mein Trainer hat anfangs einige Bedenken, denn seit meiner Fussverletzung letzten Herbst habe ich praktisch nur auf dem Rennrad trainiert und nur wenige Lauftrainings absolviert. Und: Ich habe 2017 nur 2 Bergläufe gemacht, welche erst noch nur halb so lang waren wie der Vogellisi Berglauf! Die Bedenken sind berechtigt, aber ich bleibe bei meiner Idee – schliesslich fühle ich mich gut, bin top motiviert und will endlich wieder einmal ins alpine Gelände!
So stehe ich heute am Start: Mit dem Risiko muskuläre Probleme zu bekommen, weil ich diese Streckenlänge und das Bergabrennen nicht trainiert habe, aber trotz allem bin ich mir meiner Sache sicher und freue mich riesig auf den Lauf!
Der Startschuss fällt um 10.00 Uhr. Dass es anfangs ein wenig staut, bewahrt mich davor, einen Schnellstart hinzulegen. Ich laufe also locker los und forciere nicht. Es steigt im Moment nur leicht, ich laufe bei den Frauen um die 10. Position. Als es steiler wird, fange ich an zu überholen. Zwischen Kilometer 3 und 4 überhole ich zwei Läuferinnen, welche fast hintereinander laufen. Bei der Spurtwertung bei Kilometer 4 (Bergläger) bin ich schon an 3. Position bei den Frauen und hole mir somit eine Spurtprämie.
Da es noch 8,6 km sind bis zum Ziel, behalte ich den lockeren Tritt. Pressieren bringt nichts 😉 ! Der blaue Himmel zeigt sich, es wird warm und ich trinke bei jedem Streckenposten etwas. Nach Bergläger flacht der Weg etwas ab, wird dann aber bald wieder steil und ich arbeite mich vor – kurz vor dem Streckenposten Geils hole ich die bisher zweitpositionierte Läuferin Kathrin Knuchel ein. Ich überhole und forciere jetzt im steilen Gelände. Ich überhole immer noch Läufer, auch wenn das Läuferfeld hier vorne ziemlich auseinandergezogen wurde und man viel Platz hat.
Ich erreiche das Hahnenmoos. Ab jetzt wird es hart für mich, denn nun macht sich das rare Lauftraining bemerkbar – die steilen Zwischenabstiege setzen mir arg zu und ich muss richtig beissen, damit ich den Vorsprung, den ich auf die schnelle Läuferin Kathrin Knuchel herausgelaufen habe, noch irgendwie managen kann. Sie läuft besser bergab als ich und kommt mir wieder näher. Nach dem letzten Abstieg läuft nur noch mein Kopf dieses Rennen resp. den letzten Aufstieg zum Ziel; ich habe Fuss- und Wadenkrämpfe, eigentlich kann ich nicht mehr, aber mein Wille ist stärker als mein Handicap und ich bringe den 2. Rang ins Ziel! Was für ein Krimi! Was für ein Lauf und vor allem freue ich mich darüber, dass ich (ausgenommen von den Krämpfen) keine Schmerzen an den Füssen hatte! Ende gut, alles gut!
Im Ziel erwarten mich meine sportliche Betreuerin Daniela Siegenthaler und mein Vater, welcher mit dem Bike hinaufgefahren ist. Kurz darauf kommt auch schon mein Trainer Hansruedi Bühler ins Ziel; er hat auch am Lauf teilgenommen. Vielen Dank den Dreien für ihre tolle Unterstützung, die treue Begleitung und Begeisterung!



Folgende drei Fotos von Peter Russenberger:














