2. Rang am Hohsaas Berglauf VS – 1.9.2018

Mich zieht es wieder ins Wallis. Der Start des Berglaufs ist in Saas-Grund auf über 1‘500 m ü. M. Die Strecke ist 10 Kilometer lang und hat einen Höhenunterschied von 850 Metern. Das Terrain wechselt zwischen geteerter breiter Strasse, schmalem Waldpfad und steinigem Naturweg.

Beim Start ist es bewölkt und ziemlich kalt. Ich starte locker, denn heute ist es schliesslich kein Bergsprint. Schon von Anfang an setzt sich die erste Läuferin Victoria Kreuzer ab. Die erste halbe Stunde läuft es mir prima, ich bin locker und laufe nicht am Limit.

Hinter mir ist niemand mehr. Längere Zeit laufe ich hinter einem Läufer, den ich in einem steileren Aufstieg überhole. Vor mir sehe ich nun leider niemanden mehr, ich bin in einer Lücke, leider. Das Problem: Ich kenne die Strecke nicht und die Streckenführung ist nicht immer eindeutig. Bis jetzt bin ich richtig gelaufen. Aber nun hänge ich auch noch den vorhin von mir überholten Läufer ab und ich bin allein auf weiter Flur. Nach den Serpentinen komme ich aus dem Wald und auf einen Naturweg zwischen Berghütten und einer Kapelle. Jetzt kommt das grosse Verhängnis: Der Weg geradeaus ist mit einem Kuhzaun versperrt. Ich sehe keine Markierung und nehme die einzige Variante, die Abzweigung nach rechts, welche um die Kapelle herum führt. Auch dort sehe ich keine Markierung. Nun komme ich ins Dribbeln: Wo muss ich weiter?!? Ich sehe mich um, renne wieder zurück, rufe, ob mich evtl. jemand hört und mir den richtigen Weg sagen kann, aber alles vergeblich. Leider sieht man von hier aus nicht weit. Ich fluche vor mich hin und bin wie auf Nadeln, was ich jetzt tun soll. Mir bleibt nichts anderes übrig, als auf die von mir abgehängten Läufer zu warten in der Hoffnung, dass von ihnen jemand den Weg kennt.

Es ist genau die Horrorvorstellung aufgetreten, die ein Läufer überhaupt haben kann – du bist allein unterwegs und plötzlich verlierst du die Laufstrecke! Endlich kommt eine Gruppe von vier Läufern, darunter mein Trainer Hansruedi Bühler. Zum Glück kennt einer der Läufer den Weg; es geht also doch geradeaus – über den Kuhzaun! Ich renne los wie von einer Wespe gestochen und ab jetzt ist der Weg zum Glück klar! Nach dieser Kunstpause, die ich zwangsläufig einlegen musste, habe ich den Drang, die verlorene Zeit aufzuholen. Aber das ist unmöglich! ‚Somit kannst du das Rennen nur noch als Trainingslauf betrachten‘, spricht meine innere Stimme. ‚Das Rennen ist schon vorbei!‘ Ich renne jetzt trotzdem voll und versuche die Gedanken zu verdrängen.

Es läuft mir trotz aller Umstände nicht so schlecht. Nur auf dem letzten Kilometer merke ich, dass ich nach dem Zwischenfall und der Tatsache, dass keine Läufer vor mir in Sicht sind, keinen Biss mehr habe, bis ganz zuletzt durchzuziehen. Aber für heute ist es OK so! Am Rang ändert nichts mehr, auch wenn die Laufzeit nun wirklich zum Vergessen ist. Aber ich weiss, dass ich in guter Form bin, also lasse ich das Resultat so stehen. Ich bin Zweite hinter der Spitzenathletin Victoria Kreuzer, welche eine extrem schnelle Zeit läuft.

Der Zwischenfall ist sehr schade (auch andere Läufer haben mir berichtet, dass sie sich verlaufen haben oder der Weg unklar war), denn der Berglauf hat mir abgesehen davon sehr gut gefallen, vor allem das alpine Gelände mit dem Ziel auf dem Kreuzboden auf 2‘397 Metern und das abwechslungsreiche Terrain.

Sicht vom Startgelände bei der Hohsaas-Bahn aus.
Sicht aus dem Zielgebiet auf die letzten 2 Kilometer des Laufes.
Die grossartige Siegerin Victoria Kreuzer und ich
Der Finger des Fotografen musste unbedingt drauf…

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